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^rotz Breslau und Wien, trotz Dänemark und Eng-land, Paris bleibt doch, je nachdem man es auffassen will,das Mekka oder das Bayreuth der Zarenreise. Nicht nurfür die Franzosen, sondern auch für das übrige Europa ,für die Russen und höchst wahrscheinlich auch für den Zarenselbst. Da allein soll sich, nach der Vorstellung der hohenHerrschaften und des verehrten Publikums, manches Rätsellösen oder auch knüpfen; da allein treffen die beiden ent-gegengesetzten Pole, Selbstherrscherschaft und Demokratie,hoch aufblitzend auf einander, da allein wird die „Volksseele"(ein Wort, welches ich bei dieser Gelegenheit den Parisernabtreten möchte) ihren vollen Anteil an Inhalt und Form desLiebes- und Frendenfestes haben. Alles andere erscheintnur wie ein Beiwerk oder ein Vorwand, zu dem man sichentschließen mußte, um das Ganze nicht gar so einseitigwirken zu lassen.
Was es für den Ernst des Völkerlebens bedeutet, brauchtman im Ernst nicht zu fragen. Wenn die meisten Heiratenso glücklich abliefen wie die meisten Hochzeiten, wäre dieWelt zu schöu. Die Feiern sind erschaffen, um die gemeine
*) Aus der „Nation" vom 26. September 1896.