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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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man beliebig teilen; sie leben weiter. Die Verletzung einesder Organe des höheren Organismus schädigt alle anderenOrgane, ja kann den ganzen Organismus töten 1 .

Auch die wirtschaftliche Entwicklung ist zunächst eineGeschichte wachsender Gröfse und zunehmender Absonderungvon der Umgebung. Zuerst ist der Kleinbetrieb über dasganze Land verteilt, ihm stehen die modernen Riesenbetriebegegenüber, welche sich geographisch lokalisieren.

Auch hier dieselbe zunehmende Arbeitsteilung. Währendursprünglich alle Gewerbe in einem Betriebe vereinigt sindder sich selbsterhaltende Bauernhof, die Urgemeinde der Vor-zeit, sondert sich die Landwirtschaft von der Textilindustrie,diese von der Metallbereitung u. s. w. Damit aber wächst diegegenseitige Abhängigkeit der einzelnen Wirtschaften. Dieursprüngliche Einzelwirtschaft kann ohne Schaden von ihres-gleichen getrennt werden; die auf Arbeitsteilung und Tauschberuhende Wirtschaft geht, wenn aus dem Zusammenhang mitdem Ganzen gerissen, zu Grunde oder bildet sich zu derfrüheren Wirtschaftsform zurück.

Dasselbe gilt, wenn man nur ein Gewerbe, etwa dieTextilindustrie, in das Auge fafst. Ursprünglich ist die innereStruktur derselben eine gleichförmige; jeder der Kleinbetriebeproduziert die Rohstoffe, verarbeitet sie und verbraucht sie;auch wo der Tausch später auftritt, ist der Kleingewerbe-treibende Produzent und Kaufmann zusammen. Dem gegen-über steht die moderne Industrie, in der alle jene Funktionengeschieden sind, die Produktion und die Konsumtion, dasgewerbliche und das kommerzielle Gebiet Es bildet sich einbesonderer Markt des Rohmaterials, ein besonderer der erzeugtenWaren; beide Märkte sind getrennt von der Fabrikation. Alle

1 Vergl. hierfür Herbert Spencer, First Principles und Principlesof Biology. Part I.