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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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welche auf das gesellschaftliche und wirtschaftliche Gebiet an-gewendet, reiche Analogien zuläfst.

Jede Entwicklung besteht danach in erster Linie in derAusbildung von einzelnen Entwicklungsmittelpunkten durchZusammenziehung von Stoff; sie ist in erster Linie eine Ge-schichte wachsender Gröfse und zunehmender Bestimmtheitgegenüber der Umgebung: Integrirung. Daneben ist sieeine Geschichte wachsender innerer Verschiedenheit. Die gleich-mäfsige Struktur weicht der Ausbildung von Teilen, welchesich in wachsendem Mafse aus einander entwickeln und immerverschiedenere Funktionen übernehmen. Aber in dem Mafse,als die Teile von einander verschieden werden, wächst ihregegenseitige Abhängigkeit. Einer kann ohne den andern nichtbestehen; eine Veränderung des Teiles verändert das Ganze;eine Störung des Teiles stört das Ganze: Differenzierung.Es gilt dies von physiologischen wie gesellschaftlichen Er-scheinungen.

So schreitet die Entwicklung fort von den winzigen Leb-wesen niederster Ordnung zu den mächtigen Gestalten derhöheren Tierwelt, von dem Protoplasma, das von seiner Um-gebung wenig getrennt ist, zu fest in sich geschlossenen,von der Umgebung scharf geschiedenen Ganzen. Währendauf den niedern Stufen der Entwicklung die innere Strukturgleichmäfsig ist, bildet sich eine immer gröfsere Verschieden-heit der Teile aus; an Stelle gleichförmiger Zellenzusammen-häufungen treten komplizierte Organismen. Ursprünglichversieht jeder Teil alle Funktionen, so die ursprünglicheZelle die der Ernährung und Fortpflanzung zugleich. Späterist für jede Funktion ein besonderes Organ ausgebildet. Da-mit nimmt die gegenseitige Abhängigkeit der Teile von ein-ander, z. B. des Herzens von dem Nervensystem, und desGanzen von den Teilen zu. Jene niederen Lebewesen kann