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1882 weiteste Verbreitung kleingewerbliclier Zustände selbstfür das Gewerbe, das zum Grofsbetriebe am frühesten über-ging, die Baumwollspinnerei. Während in England 1885 aufdie Spinnerei bezw. Weberei 191 Personen kamen, fielen aufden Betrieb der Baumwollspinnerei in Deutschland 1885 nurerst 10 Personen (5842 Betriebe, 60970 Arbeiter). Ist soselbst die Spinnerei noch teilweise hausindustriell, so in vielhöherem Mafse die Weberei, in welcher die Hausindustrie nocheine gewisse volkswirtschaftliche Rolle spielt. Da auf denselbenStühlen aber bald Baumwolle, bald Wolle, bald halbwolleneStoffe angefertigt werden, so sind Specialangaben über dieBaumwollweberei in dieser Richtung kaum möglich.
In der gesamten deutschen Textilindustrie waren 1882noch 42 °lo aller Arbeiter im Kleinbetriebe (Betrieben unter 5Personen), 38 °/o im eigentlichen Grofsbetriebe (über 50 Personen)beschäftigt.
Das Verhältnis zwischen Hausindustrie und Fabrikbetriebin den drei wichtigsten Zweigen der Textilindustrie ergiebtfolgende Tabelle:
in Fabrikbetrieb in Hausindustriewaren thätig ohne Nebenbeschäftigung
Zubereitung von Spinnstoffen,
Spinnerei 103,750 28,391
Weberei 171,095 178,060
Stickerei, Wirkerei, Spitzen-fabrikation ...... 23,077 68,248
im Ganzen 297,922 274,699
Losch 1 bemerkt diesen Zahlen gegenüber, dafs dasGesamterzeugnis der genannten Personen, wenn auf dem Wege
1 H. Losch, Leipzig 1892. S. 171 u. 172. Es ist ein Verdienstdieses Buches, die Rückständigkeit der technischen Verhältnisse unsererIndustrie zahlenmäfsig untersucht und auf die ungeheure Verschwendungan Menschenkraft durch den Kleinbetrieb hingewiesen zu haben. „KeinArbeiterschutzgesetz wirkt auf das Verhältnis des Arbeiters zur Technik