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wird. Das Verhältnis beider verschiebt sich daher im Laufeder Entwicklung zu Gunsten der Arbeit. Es bedeutet diesnichts anderes, als dal's die Produktionskosten eines bestimmtenGutes zwar herabgegangen sind, dafs dagegen relativ inner-halb der geringeren Produktionskosten mehr auf die .Arbeitund weniger auf das Kapital kommt. Beispiel ist folgendes.Es bezieht sich auf dieselbe Fabrik, eine vereinigte Baumwoll-spinnerei und Weberei, deren Anlagekapital 1883 denselbenWert darstellte wie 1840. Hier waren die Preise einer ElleKaliko genau derselben Qualität von 1840 bis 1883 um 22%,die Kosten der Arbeit pro yard um 41 % herabgegangen, derauf Zins und Gewinn kommende Betrag um 63%; dabeiwar der Wochen verdienst der Arbeiter um 64% gestiegen 1 .
Was von einem einzelnen Erzeugnisse gilt, hat auch aufdie nationale Gesamtproduktion, soweit sie auf grofsindustri-eller Grundlage ruht, Anwendung. Die Arbeit erhält einenrelativ höheren Anteil. Aber die grofsindustrielle Betriebs-weise bedeutet ein solches Mehrprodukt, dafs wie in denProduktionskosten eines einzelnen Gutes die Beträge sowohlfür Arbeit als für Kapital absolut abnehmen, so in Bezug aufdie ungeheuer gesteigerte Gesamtproduktion beide Beträgeabsolut zunehmen. Sowohl auf Arbeit als auf Kapital kommtein absolut grösserer Betrag.
Eine Ausnahme tritt nur insofern ein, als aufsergewöhnlicheFertigkeiten durch die Maschine ersetzt werden. Indem die an dieArbeit gestellten Forderungen gleichmäfsiger werden, nähern sichauch die Löhne einem gleichen Niveau 2 . So pflegen er-fahrungsgemäfs gerade die mittleren Löhne mehr zu steigenals die höchsten, letztere zum Teil zu sinken, wie beispiels-
1 Vergl. Atkinson, Distribution of produkts S. 119 u. 120; fernerReport on the Statistics of labour. Massachusets 1890. S. 261 ff.
2 Vergl. Protokolle der deutschen Reichsenquete S. 291, 376,337 u. s. w.