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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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G. v. S c h u 1 z e-G aevernitz, Die deutsche Kreditbank.

III

tische Instruktion der Direktoren, keine zu enge Bindung. Das Bankgeschäft er-fordert Initiative und läßt sich ohne ein gewisses Maß von Vertrauen nicht betreiben.Aber genaue Auswahl der in Betracht kommenden Persönlichkeiten, sorgfältigeund unausgesetzte Kontrolle! J ). Nicht minder sorgfältige Erwägung erfordert dieFrage der Kapitalausstattung der Filiale. Zunächst empfiehlt sich die Ausstattungeiner neugegründeten, flott zu machenden Filiale mit Kredit bei der Zentrale zumäßigem, festem Zins (4%) und ziffernmäßig unbegrenzter Höhe. Dieses Systemverleitet jedoch auf die Dauer dazu, bei hohem Zinssatze das Geld der Zentralebillig zu nehmen und Depositen nicht genügend zu suchen, dagegen das Geld beiniederem Zinssatze der Zentrale zurückzusenden. Auf die Dauer empfiehlt sich daherfeste Ausstattung mit einemDotationskapital"; übuer dasselbe hinaus erhält dieFiliale zwar Kredit, wird aber für denselben wie jeder andere Kunde zu wechselndemZinsfuß belastet. Eine Tantieme der Filialdirektoren vom Filialgewinne bedeutetzwar Anregung zur Geschäftsausdehnung für den Anfang; aber es besteht die Gefahr,daß Geschäfte gemacht werden, welche die Zentrale ablehnen würde. Ist dieFiliale eingearbeitet, so ist darum die Tantieme vom Gesamtgewinne zu empfehlen.

Die Filialen der Provinzbanken sind dem örtlichen Wirtschaftsgebiete der Zentralezu entnehmen; so haben die Provinzbanken am Ober- und Niederrhein, in Schlesien ,Sachsen in dem ihnen bekannten Hinterlande ihre Filialen. Fehler in dieser Richtunghaben sich öfters gerächt. Die Großbanken wirken hierin organisierend, so z. B.löste die Deutsche Bank die Filialen von der einen Provinzbank ab und gliedertesie der näher liegenden an. Je mehr Filialen, desto mehr fremde Gelder,desto größer der Umsatz, welcher z. B. bei der Deutschen Bank bedeutender istals bei der Diskontogesellschaft. Aber je mehr Filialen, desto erheblicher auch dieUnkosten auf gleichen Umsatz. Daß dieUnkostenquote" mit dem Filialsystemsteigt, beweist der Vergleich zwischen filialarmen und filialreichen Großbanken,z. B. zwischen der Berliner Handelsgesellschaft, auch der Diskontogesellschafteinerseits, mit der Deutschen Bank und der Darmstädter Bank andererseits. 1913beliefen sich Unkosten und Steuern im Verhältnis zum Bruttogewinn bei der Handels-gesellschaft auf 23,7%, der Diskontogesellschaft auf 38,2%, dagegen bei der Darm-städter Bank auf 49,7% und der Deutschen Bank auf 40% 2 ).

3. Tochterbanken. Die Gründung von neuen Banken zu vollem Besitzder Mutterbank weist alle Nachteile der Filiale auf, aber ohne ihre Vorteile. Tochter-banken fügen sich gestützt auf ihre juristische Selbständigkeit weniger leichtin die Instruktion und sind schwerer zu gemeinsamer Geschäftspolitik zu bringen.Die in den 70er Jahren von den Berliner Großbanken gegründetenProvinzbanken"

denen insbesondere die Absicht zugrunde lag, die Haftbarkeit der Zentralezu beschränken sind wieder eingegangen. Ihr Hauptbeispiel Avar die zeitweisevon Miquel geleitete, 1880 liquidierte Provinzialdiskontogesellschaft. Dagegen be-währten sich Tochterbanken für SonderzAvecke als Finanzierungsgesellschaftenund vor allem für das Ueberseegeschäft.

4. Wechselstuben und Depositenkassen sind Filialen niederer Ordnung, amgroßstädtischen Sitz der Zentrale gelegen, welche dem Emissionsgeschäft fern stehen,dagegen sonst nahezu alle Bankgeschäfte betreiben. Die Wechselstuben pflegendas Diskontgeschäft in den Geschäftsvierteln der Großstadt. Der Sammlung vonDepositen dagegen dienen die Depositenkassen in den vornehmeren Wohnvierteln,daneben der Vermögensverwaltung und dem Effektenkommissionsgeschäft. 1912befanden sich 11 Depositenkassen der Großbanken allein im Straßenzug des Berliner Kurfürstendammes. Die Konkurrenz treibt die Depositenkassen dazu, dem Klein-

1 )G. Tischert, Filialsystem und Zentralisation im Bankwesen (Bankarchiv II.S. 134/135).

2 ) Frankfurter Zeitung vom 6. III. 1914. Bosenick, Verwaltungskosten und Ver-waltungserfolg bei den 6 Hundert Millionen-Banken (Schmollers Jahrb. 1908 I. S. 253 ff.).R. Steinbach, Die Verwaltungsunkosten der Berliner Großbanken (daselbst 1905).