Demgegenüber entwickelte sich in Rufsland der moderneFabrikbetrieb zuerst auf dem Boden der Färberei. Siewar es, welche die Wladimirsche Industrie grundlegendumgestaltete. Ihrem Interesse wurde bereits der Übergangvom Leinen zu der den Farben geneigteren Baumwolle ver-dankt.
Der Aufschwung der Färberei vollzog sich nicht ohneAnstofs von aufsen. Ähnlich wie in England knüpfte dieBaumwollindustrie auch in Rufsland an die Beziehungen mitdem indischen Kulturkreis an, der durch das Wolgasystem mitdem Herzen Rufslands in Verbindung stand. Aus den ver-streuten Nachrichten lassen sich folgende Stufen der Ent-wicklung feststellen h
Schon frühe kamen die Wolga hinauf bunte asiatischeGewebe. Insbesondere stach das türkische Rot, mit dem diePerser und Bucharen die Baumwolle zu färben verstanden,den Naturkindern des Nordens in die Augen. Die gewerb-liche Überlegenheit des Südens kam darin zum Ausdruck,dafs der Norden die Gewebe des Südens gegen Natur-erzeugnisse eintauschte: Fische, Holz, Getreide u. s. w.Dieser Handel mufs ziemlich bedeutend gewesen sein; denn erveranlafste orientalische Kaufleute, eigene Färbereien in Rufs-land anzulegen. Bald versuchten die Russen selbst die Farben-pracht der orientalischen Gewebe nachzuahmen — ursprüng-lich in sehr primitiver Weise mit vergänglichen Ölfarben aufeinseitig bemalter Leinwand. Wasserreichtum und der-Besitz
1 Vergl. die älteren Jahrgänge des Industrieboten. Ferner: denHistorisch-statistischen Überblick über Rufslands Industrie, Petersburg1886. Ausgabe des Departements für Handel und Industrie, S. 73 ff.Die Aufsätze Mendelejeffs in der Ausgabe der gleichen Behörde fürdie Ausstellung in Chicago, Petersburg 1893. Ferner „Fabriken undandere Gewerbebetriebe im Gouvernement Wladimir", Ausgabe derLandschaft von Wladimir, Wladimir 1890; Garelin, Die StadtJwanowo-Wosnessensk, Schujal894; Erismann, Sammlung statistischerMitteilungen über das Gouvernement Moskau, Band IV, Teil I, unddie wiederholt citierten englischen Blaubücher. Endlich TuganBaranowski passim.