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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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so unerträglicher, als die Gutsherren die Betrügereien ihrer Unter-thanen offen begünstigten. Betrüger schlimmster Sorte wiesen,wenn sie um gewerbliche Arbeit einkamen, gewöhnlich diebesten Sittenzeugnisse seitens der gutsherrlichen Verwaltungauf; ja es wird ausdrücklich berichtet, dafs die Gutsherrenoft genug ihren Obrok aus derartigen unlauteren Quellen be-zogen. Der angeführte Bericht von 1860 schätzt den Verlust,welchen die Verleger durch die Betrügereien der Weber er-litten, auf 6 °/o vom Wert aller Waren.

Folge dieser Verhältnisse war der Ubergang zur me-chanischen Weberei, welche eine bessere Kontrolle er-möglichte 1 . Vor dem Verlassen der Fabrik wurden dieArbeiter körperlich untersucht und dadurch die meistenBetrügereien abgeschnitten.

Immerhin vollzog sich der Übergang zur mechanischenWeberei nur sehr allmählich 2 . Im Jahre 1860 bestanden erstdrei mechanische Webereien in Wladimir. Neuerdings jedochkonstatiert der angeführte Bericht der Wladimirschen Land-schaft einen entschiedenen Rückgang der Handweberei inBaumwolle (188290 Verminderung um 64°/o), welche Ent-wicklung allerdings dadurch verdeckt wird, dafs die Leinen-weberei noch wenig von der mechanischen Betriebsform er-griffen ist 3 . In vielen Orten des Wladimirschen Gouverne-ments ist die Baumwollhandweberei bereits völlig ausgestorben 4 .

Seit den fünfziger Jahren vollzog sich ein Fortschritt überdie geschilderten Verhältnisse hinaus: die fremden Garnefingen an, durch russische verdrängt zu werden. Jedoch warenes nur in Ausnahmefällen die Färbereien, welche sich eigeneSpinnereien angliederten. Ein solches Beispiel ist das Geschäftder Garelins in Iwanowo, welches, ausgehend von der Färberei,

1 Tugan-Baranowski a. a. 0. S. 253.

2 1847 erste mechanische Weberei zu Schuja. Vergl. Swirski,Fabriken und andere Industriebetriebe des Wladimirschen Gouverne-ments. Landschaftsausgabe. Wladimir 1890, S. 13.

3 Vergl. Swirski a. a. O. S. 27.

4 Eine Menge von Citaten und Belegen hierfür bringt Tugan-Baranowski a. a. O. S. 420 ff.