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Spinnerei zu Narwa wahrscheinlich die gröfste der Welt;mitte der neunziger Jahre, als ich die Fabrik besuchte, hattesie mehr als 400000 Spindeln und über 2000 Webstühle. Siebenutzt den herrlichen Wasserfall der Narwa , dem sie durchTurbinen mehrere tausend Pferdekräfte abgewinnt. Die Küsten-lage ermöglicht billigste Beschaffung von Kohlen, Baumwolle,Maschinen und Baumaterial. Das Ganze ist ein Stück England auf russischem Boden. Nur die Turbinen sind deutsches Fabrikat.
Der Weitblick des alten Knoop zeigte sich darin, dafs erbereits 1857 den Wasserfall kaufte; 1860 war das erste Fabrik-gebäude vollendet. Diese Gebäude sind durchweg aus Steinund Eisen gebaut; die Arbeitsräume sind weit und luftig; dieErschütterung durch die Maschinen ist äufserst gering. Alletechnischen Fortschritte kommen nach Rufsland via Kränholm;schon 1863 waren nach Scherer selbstreinigende Kratzen da-selbst in Thätigkeit 1 . Auf die Fabrik zu Kränholm trifft alsoebenso wenig der Vorwurf technischer Rückständigkeit, wiegesundheitswidriger Arbeitsräume zu, welchen das Journal derTechnologen gegen die Knoopschen Gründungen erhebt. DieArbeitsräume zu Kränholm dürften in hygienischer Beziehungvielmehr zu den besten Rufslands gehören.
Auch die Arbeitsverhältnisse liegen günstiger in Krän-holm wie in Moskau . Der langjährige Direktor, ein Eng-länder aus Blackburn, sagte mir, der esthnische Arbeiter,welcher in Narwa vorherrscht, sei zwar schwerer zu regieren,als der Russe; insbesondere sei er nicht mit Schlägen zu regieren,da er wieder schlage, aber er sei produktiver und trotz höhererWochenlöhne billiger. In der That fand icli bei meinem Be-suche in Narwa 1893 aufserordentlich günstige Produktions-verhältnisse und eine Arbeitsersparnis, welche von gutendeutschen Spinnereien kaum erreicht werden dürfte. Ichnotierte folgende Zahlen:
Garnnummer 32 s pair of mules zu 1512 Spindeln | bedient von nur„ 35 „ „ „ „ „ 1552 „ l 3 Arbeitern
„ 40 „ „ „ „ „ 1996 „ | (1 Spinner, 2 Geh.)
1 Seherer a. a. O. S. 497.
v. Schulze-Gaevernitz, Studien a. Rufsl.
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