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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
Entstehung
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Vorwärtsentwicklung im Sinne der obigen Regel. Selbstscheinbar rückläufige Bewegungen kommen vor, werdenjedoch dadurch erklärt, dafs die Industrie zuerst einausländischer Setzling in die nationale Volkswirtschaftorganisch hineinwächst, wofür wir schon oben in demSiege der bäuerlichen Industrie über die merkantilistischeFabrik ein Beispiel kennen lernten. Um die Anwendbarkeitdes oben aufgestellten allgemeinen Satzes auch für Rufslandzu verstehen, gedenke man zweier Thatsachen , welche Rufslandvom Westen tiefgreifend unterscheiden: einerseits des kolo-nialen Charakters der russischen Industrie undder damit verbundenen hohen Kosten des Kapitals, so-dann der mittelalterlichen Volkspsychologie undder daraus entspringenden Eigentümlichkeiten der in-dustriellen Arbeit.

In Mittelrufsland kostet die Spindel drei- bis viermal soviel wie in England . Aljantschikoff gab in der Sitzung derGesellschaft zur Beförderung der russischen Industrie vom3. Dezember 1895 folgende Ziffern, welche mit anderen An-gaben, z. B. denen Mendelejeffs, genügend übereinstimmen.

Kosten pro Spindel Maschinen, Kessel 15 Rubel 59 1 /2 Kop. Arbeiterkasernen u. ä. 8 27 x /2 Fabrikgebäude 7 70 1 /a Wege 1 ,, 56 »

Summa: russ. Spindel 33 Rubel 13V2 Kop.

Eine englische Spindel kostet demgegenüber circa 10 Rubelund weniger.

I. Entsprechend den oben aufgestellten Gesichtspunktenfragen wir zunächst nach dem Mafse der kapitalistischen Konz entrierung der russischen Baumwollindustrie.

1. Im Westen entwickelte sich die grofsindustrielle Unter-nehmung allmählich aus Mittel- und Kleinbetrieben. Durchden Willen einer kapitalistischen Grofsmacht wurde sie fertigauf russischen Boden verpflanzt. Ähnliches werden wir untenfür die Eisenindustrie kennen lernen. Die russische Industrie-entwicklung beginnt vielfach mit gewaltiger Kapitalkonzentrie-rung. Auch wenn wir der Knoopschen Gründung zu Narwa