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Zwischen Moskau und Polen besteht eine Arbeitsteilung;Polen macht dichte, buntgewebte, gerauhte und halbwolleneStoffe, und seine Stärke in der Spinnerei ist die Vigogne;Moskau macht Druckkattune und spinnt gewöhnliche Garneniederer und mittlerer Nummern. Moskau und Polen machensich kaum mehr Konkurrenz als Gladbach und Mülhausen .Polen hat noch nie Garne auf den Moskauer Markt ge-worfen, vielmehr kauft es von Moskau Garne, besondersZwirne.
Ferner: die geographische Lage Moskaus ist günstiger alsdie Polens , weil es den Märkten näher ist. Die Frachtsätzevon Lodz sind bis Wladikawkas um 45%, bis Kursk um180 °/o, bis Orenburg um 288%, bis Ufa 250%, bis Slatustum 248 °/o teurer als die von Moskau b Je mehr die russische(asiatische) Baumwolle Bedeutung gewinnt, umsomehr istMoskau im gleichen Vorteil auch hinsichtlich des Rohstoffes.1889 wurden nach Lodz im ganzen 1292194 Pud ausländischerund 584451 Pud russischer Baumwolle zugestellt. NachBjeloff aber betrugen die Transportkosten vom kaspischenHafen bis Moskau 46, nach Lodz 67,59 Kopeken pro PudBaumwolle. Wahrscheinlich besitzt Lodz gewisse Vorteile in-folge billigeren Heizmaterials; aber diese Vorteile ver-ringern sich in dem Mafse, als Moskau zum kaspischenNaphtha übergeht, welches ich in den besten Grofs-betrieben Moskaus bereits allgemein zur Kesselheizung an-gewandt fand.
Moskau hat endlich die politische Macht und kann jeder-zeit die polnische Konkurrenz durch die Eisenbahntarifpolitikin Schach halten.
Aus dem Gesagten ergiebt sich, dafs Lodz zwar nebenMoskau Platz hat, aber kaum in der Lage sein dürfte, Moskau ernstlich zurückzudrängen. Unter diesem Vorbehalt ist eine
1 Nach den Angaben Bjeloffs in einem Vortrage über die pol-nische Konkurrenz im Verein zur Förderung der Industrie und desHandels Kufslands. St. Petersburg 1892.