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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
Entstehung
Seite
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acceptiert wird. Nicht minder günstig ist es ferner für unsernPolen , auf seine Berliner Bankverbindung, soweit sein Konto-korrentvertrag es erlaubt, Kreditwechsel zu ziehen, welche, mitdem Primabankaccept des Berliners versehen, auf dem deutschenWechselmarkte zu günstigsten Diskontsätzen zu verwertensind. Auf diese Weise kommt der polnische Fabrikant zubilligstem Betriebskredit.

Diese Vorteile, welche die polnische Industrie geniefst,wurden dadurch verschärft, dafs bisher keine Filialen west-europäischer Bankhäuser den billigen Kredit des Westens deminnerrussischen Fabrikanten nahe bringen konnten. Der Rück-halt, welchen der polnische Fabrikant an dem KreditsystemDeutschlands hat, ermöglicht ihm auch, im Kampfe um denKredit seinen Abnehmern günstigere Bedingungen abzuzwingen.Die polnischen Fabriken gewähren nach dem Innern Rufs-lands 3 bis 6 Monate Kredit, wogegen die russischen Fabrikenihren Käufern 6 Monate bis lVa Jahre, ja nach Asien 18 Mo-nate Zahlungsfrist gewähren müssen 1 .

Zusammenfassend können wir sagen: in Moskau über-wiegt das Anlagekapital (man denke an die Arbeiterkasernen,die Waldungen, Torfmoore u. s. w. der russischen Fabriken);in Polen tritt das Betriebskapital gegenüber dem Anlage-kapital in den Vordergrund. Das Betriebskapital wird schnellerdurch die Betriebe hindurchgejagt; Polen besitzt z. B. nichtdie riesigen Vorräte an Rohstoffen, Heizmaterialien u. s. w. wieMoskau . Auch kehrt das in der fertigen Ware aufgespeicherteBetriebskapital schneller in die Hand des Unternehmers zurück(kürzere Kreditfristen). Aber auch das Anlagekapital, weilbilliger, ist beweglicher (die Maschinen werden z. B. schnellererneuert). Es sind dies Erscheinungen, welche allgemein diefortschreitende Entwicklung der modernen Grofsindustriecharakterisieren.

1 Vergl. Janschull, Bericht über die Fabrikindustrie Polens, Petersburg 1888, S. 20 und Gare 1 in, Die Stadt Jwanowo WosnescenskII, S. 29.