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Mängel auf seiten der Arbeit verlangsamt wird. Zahl-reiche mittelrussische Industrielle, zumal solche, welche diehochgelernte Arbeit Westeuropas aus eigener Erfahrungkannten, insbesondere Franzosen und Engländer, hörte ichdiese Schwierigkeiten als aufserordentlich schwerwiegend be-klagen.
Die russische Fabrikarbeit ist gröfstenteils unständig,flüssig und unzuverlässig. In den meisten Fabrikenwird die gesamte Arbeiterschaft im Frühjahr entlassen. Nachder mehrwöchentlichen Osterpause treten in sehr zahlreichenFällen neue Arbeiter ein, welche oft in dem betreffenden Ge-werbe überhaupt noch nicht beschäftigt waren. Immer vonneuem ergiebt sich die Notwendigkeit des Anlernens, welchejene allmähliche, aber stetige Steigerung der Arbeitsleistungverhindert, worin im Westen eine wichtige Seite des indu-striellen Fortschritts besteht. Neulinge vergeuden am Material,auch ermüden sie früher, als erfahrene Leute, welche die Ar-beit an der rechten Stelle anzugreifen gelernt haben. Derrussische Arbeiter wandert von Ort zu Ort, von Gewerbe zuGewerbe, von der Industrie zur Landwirtschaft und um-gekehrt: ein „Fabriknomade" nach der zutreffenden Bezeich-nung eines geistvollen Franzosen. Noch nicht auf die Maschineeingelebt, versteht er es schlecht, die in ihr verborgenenMächte zu entfesseln. In manchen Industrien, die in Europa längst fabrikmäfsige Grofsbetriebe sind, ist aus diesem Grundeder Hausindustrielle trotz seines technisch tief stehendenWerkzeuges in Rufsland der Fabrik ökonomisch noch über-legen.
Aber die russische Fabrikarbeit ist nicht nur unstät: sieist widerwillig, und nur dem äufseren Zwang gehorchenddient sie der Maschine. Innerlich halst und verachtet sie dieFabrik; so hörte ich bei Bereisung des jugendlichen, abergewaltig aufstrebenden Industriebezirks des Donez-Dnjepr-Beckens, dafs die eingesessene Bevölkerung die aus den Con-vertern hervorschiefsende Flamme für höllisches Feuer halteund die Werke fliehe, so viel sie könne. Es ist dies eine Er-scheinung, die sich bei jeder ursprünglichen, landwirtschaft-