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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
Entstehung
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Mit der Frauenarbeit tritt an Stelle des einzelnen Wander-arbeiters das verheiratete Paar. Aber zunächst fehlt noch dieheranwachsende Jugend. Vielmehr werden die schwangerenFrauen oder die neugeborenen Kinder, nachdem die Entbindungder Arbeiterin in der zur Fabrik gehörigen Entbindungsanstaltstattgefunden hat, nach der ländlichen Gemeinde geschickt,welcher die Eltern angehören. So sah ich in russischenFabriken riesige Schlafsäle, besetzt mit hunderten von Ehe-betten, welche ebenfalls wieder ein Fortschritt in der Richtungdes Individualismus in der Mehrzahl der Fälle bereits vonLatten oder Vorhängen umgeben waren. Es ist klar, dafsmit diesem System der Nachteil verbunden ist, den Nach-wuchs der Fabrikarbeit immer von frischem wieder der Land-bevölkerung entnehmen zu müssen. Nach einer mir mündlichgemachten Mitteilung des Fabrikinspektors von Wladimir be-finden sich unter der Arbeiterbevölkerung dieses gewerblichenGouvernements auch heute noch nicht 10 °/o Kinder.

Der Fortschritt besteht nun darin, dafs man zunächsteinzelnen, fähigen Arbeitern, sogenanntenArbeitern ersterKlasse", ermöglicht, ihre Kinder bei sich in der Fabrik zubehalten. Anfänglich behält man nur soviel Kinder zurück,als nötig ist, um den Bedarf an Vorarbeitern, Commis u. s. w.zu decken; diese Kinder werden dann in der Fabrikschuleerzogen. Allmählich ermöglicht man der Mehrzahl der Ar-beiter, ihre Kinder bei sich zu behalten; die Fabrikschulenfüllen sich. Die Schuleinrichtungen einer ganzen AnzahlMoskauer und W^lädimirscher Fabriken sind um so rühmlicher,als für die breite Masse der Bevölkerung in Rufsland be-kanntlich allgemeine Schulbildung auch heute noch nichtexistiert. Z. B. sind die Fabrikschulen der Morosoff, welcheich besuchte, geräumig, gut beleuchtet und ventiliert, mitLehrkräften und Lehrmaterial reichlich ausgestattet. Aufserden gewöhnlichen Elementarfächern findet sich in ihnen teil-weise auch Handfertigkeits- und Anschauungsunterricht.

Nach und nach gelingt es, einen grofsen Teil des not-wendigen Nachwuchses der Fabrikbevölkerung selbst zu ent-nehmen, welche damit in ihren Lebensgewohnheiten von der