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Baumwollspinnerei folgt als nächste — und zwar aus Gründendes technischen Fortschriits. „In der gegenwärtigen Zeit",sagt ein einsichtsvoller russischer Fabrikant, „hat die Baum-wollspinnerei einen solchen Grad der Entwicklung erreicht,dafs vom Arbeiter nicht Körperkraft, sondern Verständnis undKlugheit gefordert wird. Der zukünftige Arbeiter mufs sichum so viel über dem gegenwärtigen ei-heben, wie der Arbeiterder Gegenwart über dem Ai'beiter zur Zeit der Leibeigenschaftsteht" h
In welcher Richtung diese Fortschritte des mittelrussischenArbeiters liegen müssen, zeigt Petersburg und Polen . InPolen haben die Arbeiterverhältnisse der Textilindustrie bereitsein europäisches Aussehen. Wir müssen auf dieselben hierum so mehr einen Blick werfen, als die innere Konkurrenzfrüher oder später auch Moskau in dieser Richtung weiter-treiben wird. Ich verweise dabei auf die oben wiederholt an-geführten Berichte über die Fabrikindustrie Polens .
Während in Rufsland die ärmsten der Bauern ihre Zu-flucht in der Fabrik suchen, besitzt Polen einen früher ausDeutschland , nunmehr auch aus den intelligenteren Teilen derLandbevölkerung ergänzten Arbeiterstand, der teilweise bereitsseit Geschlechtern der Industrie dient, und dessen Lebens-stellung hoch über der umgebenden Landbevölkerung steht.Während der russische Fabrikarbeiter sich geistig vom Bauernnicht unterscheidet, ist der Fabrikarbeiterstand Polens dempolnischen Bauern weit überlegen. Letzterer ist regelmäfsigAnalphabet, während Janschull, als Regierungskommissar mitder Untersuchung dieser Frage betraut, in den polnischenFabriken die Kenntnis des Schreibens und Lesens über Er-warten verbreitet fand. Er untersuchte 64 Fabriken desLodzer, Warschauer und Sosnovicer Industriebezirks, darunteralle mafsgeblichen Fabriken, und fand daselbst 45,2 °/o Alpha-beten unter den Arbeitern und 8,8 °/o der Angestellten im