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Besitz einer höheren Bildung 5 . Der polnische Arbeiter lebt inbesonderer Familie, ifst — wenn auch schlecht — so dochaus seinem eigenen Kochtopf; ein Artelldasein wäre für ihnundenkbar.
Während die Bedürfnisse des russischen Fabrikarbeitersgewohnheitsmäfsig feststehen, ist der Fabrikarbeiter Polens beseelt von dem Streben nach Erhöhung der Lebenshaltung.Der polnische Boden ist seit Jahrhunderten unter Privateigen-tümern aufgeteilt; der landlose Proletarier mufs daher auf demBoden der Lohnarbeit die Verbesserung seiner Lage anstreben.„Anders als die Mehrzahl der Moskauer Arbeiter", sagt Jan-schull, „haben sie in Polen kein Land, gehen deswegen nichtzur Landarbeit im Sommer aus der Fabrik und haben daherdas Interesse, soviel zu verdienen, um in der Fabrikstadt einkleines Eigentum zu erwerben."
Es gelten damit für sie jene Sätze von der zunehmendenArbeitsersparnis und Arbeitsintensität unter Steigerung derWochenverdienste, die ich anderwärts entwickelte. Hierdurchwird verständlich, was wir oben zahlenmäfsig zeigten, dafs dieKosten der Arbeit pro Produkt — soweit die Erzeugnissemaschineller Grofsindustrie in Betracht kommen — in Lodz wahrscheinlich geringer sind als in Moskau .
Die polnische Arbeit verläfst selten ihren Standort undden Erwerbszweig, in dem sie von Jugend an beschäftigt war.Ersatzarbeiter sind unbekannt. Alle jene an die unfreie Ar-beit erinnernden Mittel, durch äufseren Zwang die Arbeiterbei der gewerblichen Arbeit festzuhalten, fehlen. Die Lohn-zahlnng erfolgt in regelmäfsigen kurzen Zwischenräumen; un-bekannt ist die Beköstigung und Nächtigung der Arbeiterinnerhalb der Fabrikmauern, unbekannt die Bewachung derFabrikthore, unbekannt sind jene riesigen Arbeiterkasernen,in denen während der langdauernden Verträge die Arbeitereingesperrt sind, unbekannt jene Krankenhäuser, Entbindungs-anstalten u. s. w., wie wir sie in den Moskauer Fabriken fanden.
' So Janschull, im angeführten Bericht über die polnischeIndustrie, S. 58.