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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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seine Interessen auf Kosten des Nächsten, so opfere er siehier zu Gunsten der Gesamtheit. Herrsche dort das Prinzipder Persönlichkeit, so hier dasGernein s chaftspr in zip" x .

Die Slavophilen verweisen mit Recht auf die Bedeutungder geistigen und wirtschaftlichen Gruppenzusammenhänge,gegenüber denen das Individuum in Rufsland vielfach ver-schwindet. Nur vergessen sie, dafs solche Zusammenhänge auchin Westeuropa der Entfesselung des Individuums vorausgingen.

Die Slavophilen erblicken dem Rationalismus gegenüberdie geistige Autorität, welche viele westliche Romantiker durchÜbertritt zum Katholizismus suchten, in der griechischen Kirche.Aber das russische Volk sei nicht nur der Träger der wahrenKirchenlehre. Entsprechend dem in ihm lebendigen Gemein-schaftsprinzip verwirkliche es mehr als andere das christlicheSittengesetz, es seidas christlichste aller Völker", Rufslanddasheilige Rufsland". Der Mensch sei hier dem Menschen nichtMitbewerber, sondern Liebe und Mitleid heischender Bruder.Im freien Entschlüsse christlicher Selbstaufopferung für dieBrüder verwirkliche Rufsland allein die wahre Freiheit. Dieformale Freiheit des Westens sei demgegenüber dieFreiheitdes wilden Tiers in der Wüste", die infolge der Selbstsuchtdes Starken zur thatsächlichen Knechtschaft der Mehrzahlführe. Daher ruft K. Aksakoff:Der Westen ist verurteiltzur Unfreiheit, Freiheit bleibt nur im Osten" 2 .So ist ge-funden für den Osten die Lösung jener für den Westen un-lösbaren Frage der Vereinigung der Freiheit mit der objektiven,für alle verbindlichen Norm".

Womit belegen die Slavophilen diese ihre Theorie? AlsRomantiker gehen sie einmal zurück in die Vergangenheit.Sie verherrlichen dasvorpetrinische Rufsland", daalles staatliche wie private Leben einen kirchlichen Anstrich

1 Vergi. z. B. die ZeitschriftRufs" 1883, Nr. 3 p. 3034, wo-selbst der grundlegende, früher veröffentlichte und weit früher ge-schriebene Aufsatz von K. Aksakoff, Über den Menschen derGegenwart, zum Abdruck gebracht ist.

2 Werke von Aksakoff, Band I, S. 79.

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