Westeuropas tötete ihren Gegner, die liberale WGeschäfts-ordnung, keineswegs, wenn sie auch zu ihrer Umgestaltungmitwirkte. Die Slavophilen wiesen z. B. auf England hin alsdas Land, wo der Liberalismus am weitesten zu seinen Kon-sequenzen entwickelt, wo ein Zusammenbruch also am nächstenund unvermeidbarsten sei. Der totgesagte Gegner aber, derenglische Liberalismus, schluckte, wie sauer es ihm ankommenmochte, die sociale Pille, welche seine Feinde ihm gedrehthatten, und statt zu verscheiden, reckte er sichtlich gestärktseine Glieder. Die liberale Wirtschaftsordnung, weil sie einnatürliches Ergebnis ihrer Zeit war, erwies sich zwar nichtals ewig, aber als vorwärts entwicklungsfähig und zur An-passung an neue Bedürfnisse geschickt. Die Geschichte wider-legte die romantische Kritik Westeuropas .
Demgegenüber waren die Slavophilen in anderer Lage.Der Gegner, gegen den sie schrieben, hatte kaum seinen Fufsnach Rufsland gesetzt und war ihnen nur aus Büchern be-kannt. Arbeitsteilung und Tausch, die Grundlagen der liberalenWirtschaftsordnung, waren in dem Rufsland des KaisersNikolaus noch kaum entwickelt. Abgex-issen von ihrem Heimats-boden führten die liberalen Ideen in den Kreisen der sogen.Intelligenz ein Treibhausdasein.
Daraus aber, dafs in Rufsland die alte Zeit, welche dieRomantik der liberalen Gesellschaftsordnung gegenüberstellte,thatsächlich noch existierte, Hofs für die Slavophilen ein Vor-teil und ein Nachteil. Der Nachteil bestand in folgendem.Mochten sie immer den Schimmer der Romantik über dasalte Rufsland breiten, manchmal rückte es ihnen leib-haftig doch allzu nahe, so in Gestalt des Censors ihrerArtikel. Daher hatten die älteren Slavophilen gewissefreiheitliche Forderungen mit den Liberalen gemein, so dieder Prefsfreiheit, ja selbst die einer Volksvertretung. Sosagte Aksakoff: „Die Freiheit des Wortes ist unentbehrlich,ein Landtag notwendig und nützlich." Auch Samarin soll,wie mir persönliche Freunde des Verstorbenen berichteten,ähnliche Ansichten gehabt haben. Erst in dem Mafse als derrussische Nationalismus offiziös wurde, legte er die liberalen