III. Kritik.
Die Panslavisten borgen die Grundlage ihrer Welt-anschauung von den älteren Slavophilen. Die Letzteren aberberuhen, wie wir sahen, auf der Kritik der liberalen GesellschaftWesteuropas . Insofern sind sie, wie die westlichen Romantiker,im Besitz einer unvergänglichen Wahrheit: der Auffassung dermenschlichen Gesellschaft als organischer Einheit; hieraus folgtdie geschichtliche Bedingtheit des Einzelnen durch Umgebungund Erbschaft. Die von poetischer Leidenschaft getragenenAnklagen der Slavophilen gegen die liberale Volkswirtschafterinnern manchmal an die Wucht Carlylescher Donnerkeile.Aber gleich ihren westlichen Gesinnungsgenossen fehlen dieSlavophilen darin, dafs sie eine historische Beurteilung ihremGegner verweigern. In der liberalen Wirtschaftsordnung undin deren geistigen Begleiterscheinungen erblicken sie nichts als„Verirrung", statt zu erkennen, dafs auch sie nur entstandenund zur Herrschaft gelangt sein können, weil sie dem wirt-schaftlichen Bedürfnis ihrer Zeit, für Westeuropa wenigstens,entsprachen.
1. Geschehenes läfst sich durch Verherrlichung der Ver-gangenheit eben nicht ungeschehen machen. Die Romantik
diesem bekannten und damals einflufsreichsten Staatsmann Rufslandsführen durfte, verwies er auf den toleranten, jeder Propaganda ab-geneigten Charakter der russischen Kirche. Seine eigene Kirchen-politik begründete er aus staatlichem Interesse: in Rufsland wie imOrient bestimme die Kirche die Nationalität: „um wahrer Russe zusein, mufs der Mensch orthodox sein." Die Kinder eines orthodoxenElternteils seien daher durch das Gesetz orthodox, der Austritt ausder Staatskirche sei aus staatlichem Interesse unmöglich. So schützeman den Bauern, auf den der Einflufs des Popen gering sei, vorfremder und staatsfeindlicher Propaganda. „Rufsland hat keinenFreund, auch nicht die Franzosen , welche religionslos sind." DiePresse, die Rufsland verleumde, sei die jüdische Presse; ihr gelteer selbst als der „moderne Torquemada". „Der Türke, welcher Christwerden sollte, wird Franke; ähnlich der Russe, der Protestant oderKatholik wird."