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Frage in nationalen Kreisen ist die Art und Weise, wieDanilewski sein slavophiles Gewissen mit der von ihm ver-tretenen Polenpolitik abfindet.
Rufsland als Vertreter des slavischen Gesamtinteresses seiberufen, den Verrat des abtrünnigen Sohnes der Slavenfamiliezu sühnen. Böhmen sei grofs, wo immer es gegen Europa sich wandte, so besonders in seiner gröfsten That, dem Hussiten-kriege, einem Vorstofse der Slaven gegen den Germanismus,der morgenländischen Rechtgläubigkeit gegen die katholischeKirche. Polen dagegen habe sich zum Werkzeug Europas er-niedrigt gegen den „Träger Lichtes", den Osten. Die Polen allein von allen Slaven seien innerlich Europäer geworden. In-dem sie die feudale Entwicklung des Westens mitmachten,gelangten sie zu jenem aristokratischen Gesellschaftsaufbau,welcher den von Europa unbeeinflufsten Slaven fremd sei. Wiedie oberen Klassen Europas überhaupt, so beruhe die pol-nische Schlachta auf ökonomischer Vergewaltigung der unterenKlassen; schlimmer noch: sie betrüge das Volk zugleich umsein höchstes ideales Gut, seine Nationalität. Gegen sie unddie mit ihr verbündete katholische Kirche verteidige Rufslandslavisches Volkstum vor wirtschaftlicher und nationaler Unter-drückung. Der Kampf gegen Polen sei also nichts als einTeil des Kampfes gegen Europa .
Wenn Rufsland im polnischen Adel das alte, feudaleEuropa bekämpfe, so bekämpfe es das neue demokratische inder polnischen Intelligenz. Hier sei der Kampf gegen Polen zugleich auch ein Kampf gegen den russischen Liberalismus,welcher seine Meinungen über Polen bezöge und mit denpolnischen Aufrührern in Verbindung stände 1 . Gehässigeraber als die Europäer selbst seien dem wahren Slaven dieseRenegaten, welche nicht einmal die europäische Kultur, son-dern nur die Karikatur derselben besäfsen 2 .