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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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Baumwolle; dem schliefsen sich zahlreiche Zollerhöhungenfür andere Industrieprodukte an. Endlich wird das Ergebnisder ganzen Entwicklung im Zolltarif von 1891 zusammen-gefafst.

In der Absicht, für den bevorstehenden Türkenkrieg dieMetallzahlung der ausländischen Anleihen zu sichern, erhobdie russische Regierung vom 1. Januar 1877 ab die Zölle inGold. Es bedeutete dies eine Zollerhöhung von 8034 °/o.Auch der 1881 erfolgte weitere Zuschlag von 10 °/o auf dengesamten Tarif hatte neben protektionistischen finanzpolitischeGründe, indem man durch diesen Schritt die Beseitigung derSalz- und der Kopfsteuer vorbereitete. WährungstechnischeGesichtspunkte spielten mit, welche eine Verbesserung derZahlungsbilanz verlangten. Anders die 1885 erfolgte allgemeineZollerhöhung von 10 auf 20°/o; bei ihr stand der Retorsions-zweck gegen Deutschland im Vordergrund, wie sie denn fürdas folgende Jahr eine Verminderung der Zolleinnahmen mitsich brachte 1 . Zwischen jenen Jahren lag der entscheidendeSieg der Schutzzöllner, welcher auf dem Boden der Eisen-und Kohlenzölle erfochten wurde.

In jener Zwischenzeit entfaltete sich eine äufserst regeschutzzöllnerische Agitation, welche in den Kongressen derMontan-Industriellen, den Börsenkomitees von Moskau undCharkow , der kaiserlich russischen technischen Gesellschaftu. s. w. ihre Vertreter fand.

Als Wortführer der schutzzöllnerischen Bewegung trat derbekannte Chemiker Mendelejeff auf, einer der bedeutendstenNaturwissenschaftler Rufslands, der über die technischen Fragender chemischen, der Naphtha- und der Eisenindustrie zu all-gemein zollpolitischer Propaganda gelangte. Seine Argumenteklingen vielfach an List an, wobei sich freilich vielfach derMangel einer gründlichen, volkswirtschaftlichen Fachbildungbei ihm nur allzusehr fühlbar macht. Ein grofser Natur-forscher ist noch kein grofser Nationalökonom. Über die

1 Skalkowski, Ministres de la finance de la Russie. Paris 1891,S. 275.