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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
Entstehung
Seite
281
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Die zunächst erreichten asiatischen Märkte sind nur lang-sam aus der Naturalwirtschaft herauszuentwickeln. Dies giltz. B. von Westchina, der Mandschurei , Transkaspien und Nord-persien. Uber die Armut dieser Länder herrscht Überein-stimmung in der russischen Presse, welche doch die Wohl-habenheit eines Landes gewifs mit geringerem Mafsstabe mifstals dem in Westeuropa üblichen. Armut ist Begleiterscheinungder Kulturrückständigkeit. Zwar winken reichere Märkte imSüden. Aber noch dürfte manche Welle den Indus undden Jangtsd hinabrollen, ehe die Kosaken ihre Rossein ihnen tränken, um an ihnen Zolllinien zu Gunsten derKattune von Moskau aufzurichten. Statt dieser unsicherenund phantastischen Aussicht nachzuhängen, ist es für dierussische Industrie vorteilhafter, ja der einzig mögliche Weg,die Geldwirtschaftlichkeit des heimischen Marktes zu pflegenund zu entwickeln. Geringe Fortschritte in dieser Richtungermöglichen bei der Gröfse dieses Marktes bereits eine ge-waltige Produktionsvermehrung der Industrie.

Hat aber die russische Industrie an der vermehrten Kauf-kraft des russischen Volkes, damit der vermehrten und vor-teilhafteren Ausfuhr landwirtschaftlicher und ähnlicher Pro-dukte das gröfste Interesse, so liegt es auf der Hand, dafs sieeine weitere Verschärfung der schutzzöllnerischen Bewegung imfestländischen Westeuropa nicht wünschen kann. Denn dieseSchutzzölle bedeuten dort vor allem Agrarzölle. Die Pflegejener Märkte aber ist für Rufsland um so wichtiger, als trotzaller Schwierigkeiten, die dem entgegenstehen, die Herstellungeines handelspolitischen Greater Britain, d. h. praktisch ge-sprochen die Benachteiligung des russischen Getreides zuGunsten des indischen und kanadischen, vielleicht auch desamerikanischen , in der Luft liegt. Will aber Rufsland, dafsdie protektionistische Entwicklung Europas zum Stillstandkommt, so kann es dieses Ziel offenbar nicht mehr fördernals durch Konzessionen auf dem Gebiete seiner Industrie-zölle. Selbstverständlich darf das Ziel der russischen Finanz-verwaltung, die Entwicklung einer heimischen Grofsindustrie,dabei nicht leiden.