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ungünstige Verteilung der Eisenwerke zum Teil begründet indem nestförmigen und zerstreuten Vorkommen des Erzes.Schwerwiegender ist der Umstand, dafs die Eisenindustrie 5
des Ural auf Holzkohlenfeuerung angewiesen ist. Zwar besitztder Ural Kohle auf beiden Abhängen, jedoch Kohle nurmittlerer Qualität und für Verhüttungszwecke wenig geeignet 1 .Nun sind zwar die Wälder des Ural noch sehr ausgedehnt,aber bei einer Waldwirtschaft, welche die Naturschätze nichtvernichtet, sondern erhält, ist der jährliche Holzzuwachs dieGrenze, die der Ausdehnung der Eisenproduktion gesetzt ist.
Damit ist allerdings der Bestand der Eisenindustrie des Ural füralle Zeit gesichert. Auch eine Ausdehnung der Produktionist nicht ausgeschlossen 5 denn nach Herstellung bessererVerkehrsstrafsen könnten entferntere Wälder in Angriff ge-nommen werden. Immerhin verteuert die entferntere Zufuhrdas Brennmaterial. Dadurch ist die Ausdehnungsmöglichkeitder Eisenproduktion beschränkt. Auf einen weiteren Mangelmacht mich ein Sachkenner brieflich aufmerksam : „Holzkohlen-hochöfen können nicht sehr grofs gebaut werden, weil beigrofser Höhe (Masse) Holzkohle nicht genügend Widerstands-kraft haben würde und dem Gebläse nicht genügend Durchlafsgewähren würde. Daher Maximalleistung eines solchen Hoch-ofens etwa nur 35 tons Roheisen pro Tag."
Unter den russischen Fachmännern wird die Frage „Ural oder Donez-Dnjepr ?" mit einer gewissen Leidenschaft be-stritten. Ein „Anhänger des Ural" und guter Sachkenner,Matwejeff 2 , glaubt, dafs unter günstigen Bedingungen die Ural-produktion in Zukunft auf das Doppelte wachsen könne 3 . Aber
1 Vergl. Guide des Excursions du VII Congres Geologique Inter-national, St. Petersburg 1897: „Tous les travaux metallurgiques dansl'Oural du Sud se font, k defaut de combustible min erat, au ebarbonde bois." Vergl. auch Zeitschrift für praktische Geologie 1893, S. 33;Ökonomische Rundschau, August 1897, S. 78.
2 Hierzu schreibt mir ein im Ural thätiger Industrieller: „Be-trachte ich als ausgeschlossen, so lange Holzkohle in Betrachtkommt."
3 Ökonomische Rundschau, August 1898, S. 150.