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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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Infolge der Massenproduktion mit technisch bestenHilfsmitteln sind die Produktionskosten in Südrufsland ver-hältnismäfsig niedrig. Dafs dies in der That der Fall ist,ergeben die aufserordentlichen Gewinne, welche den Werkenerlauben, in durchschnittlich zehn Jahren das aufgewendeteKapital zu amortisieren. Dabei erreichen die Dividendeneine Höhe, wie sie in Europa längst unerhört ist: die Hughes-werke, welche ihr Anlagekapital voll abgeschrieben haben,zahlten wiederholt 100 °/o; die Dividenden der anderen Werkeschwanken zwischen 20 und 40 °/o h

Der Gedanke der russischen Schutzzöllner ist nun augen-scheinlich der, das europäische Kapital durch die Höhe derGewinne weiter anzulocken, die Zahl der Werke zu ver-mehren und dadurch die Produktion so sehr zu steigern, bisendlich das Eisenangebot dem Eisenbedarf voraneilt und dieinnere Konkurrenz die Eisenpreise herabdrückt. Die Durch-führbarkeit dieses letzteren Gedankens hat eine Voraus-setzung: die unbeschränkte Möglichkeit von Neugründungenauf Grund billig zu erwerbender Naturschätze.

Je beschränkter die Naturschätze sind, auf denen die In-dustrie beruht, um so gröfser ist die Wahrscheinlichkeit, dafsdie vorhandenen, mit Land und Leuten bekannten Grofs-unternehmungen diese Naturschätze bereits an sich gebrachthaben. Damit wäre die Zahl der Produzenten in bestimmteGrenzen festgelegt: ausdrückliche oder stillschweigende Pro-duktionsbeschränkung wäre wahrscheinlicher als gegenseitigeKonkurrenz. Es würde dafür gesorgt bleiben, dafs die Nach-frage dem Angebot stets voraneile. Die Eisenpreise bliebenauf lange Zeit hinaus, was sie heute sind, Weltmarktpreise+ Zoll.

Fragen wir nun nach den thatsächlichen Verhältnissen.Soviel steht fest: die herrlichen Erze von Krivoi-Rog sind inso beschränkter Menge vorhanden, dafs ihre Bedeutung nur

1 Vergl. Tugan-Baranowski a. a. O. 8. 331, sowie die öfterscitierten Berichte der englischen Konsuln.