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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
Entstehung
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bietet das treffliche Buch von Karischeff 1 wertvolle Auf-klärung. Ganz besonders zu betonen ist hier der tiefgreifendeUnterschied der langdauernden Pachten Westeuropas und dervorwiegend einjährigen Pachtverhältnisse inRufsland.

Nach Karischeff ist Verpächter der Adel, Pächter derBauer; über die Hälfte der bäuerlichen Bevölkerung Rufslandsist an der Pacht beteiligt; Pächter sind die mittleren und diereicheren Bauern, während die armen Bauern auch als Pächterleer ausgehen. Je gröfser die Landausstattung des Bauernmit Nadjelland, je gröfser sein Viehbesitz und die Arbeits-kraft des Hofes, um so begieriger sucht er Gutsland hinzuzu pachten.

Karischeff unterscheidet unter den Pächtern: Gemeinden,Gesellschaften und einzelne Bauern. Die Gemeinden tretenals Pächter auf in Gegenden des Landüberflusses und beiniedrigen Pachtpreisen. Durch diese Gemeindepachten wirdzunächst eine gewisse Gleichheit unter den Bauern aufrechterhalten, dort nämlich wo das Pachtland nach Seelen unteralle Gemeindegenossen verteilt wird. Bei höheren Pachtpreisentritt die Verteilung nach Seelen zurück, und werden nur nochdie wohlhabenderen Gemeindemitglieder am Pachtlande be-teiligt, weil sie allein für die Erlegung des PachtzinsesSicherheit bieten. Aber die Pachtpreise steigen weiter; siesind in den letzten drei Jahrzehnten enorm gestiegen, imOsten und Westen Rufslands um das 2 und 3fache, in derMitte und im Süden um das 4 und 5fache; an Stelle derGemeindepacht tritt damit die Pacht durch Gesellschaften(Artelle) wohlhabender Bauern und in letzter Linie die Pachtdurch einzelne kräftigere Wirte.

Der Pachtzins besteht in Rufsland überwiegend inNaturalleistungen (Teilbau) oder Arbeitsverpflichtung. Dievolkswirtschaftlichen Nachteile beider Systeme liegen auf der

1 Karischeff, Bauernpaeht. Dorpat 1892. Vergl. auch dasanonyme Buch aus der Feder eines hohen Staatsbeamten (Jermoloff)Mifsernte und Volksarmut". Petersburg 1892. S. 99 ff.