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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
Entstehung
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Hand. Die gepachteten Felder werden beim Teilbau meistsehr oberflächlich bestellt; denn für den Bauern ist amvorteilhaftesten ein mittlerer Ertrag des Feldes bei geringerArbeitsaufwendung. Um höhere Erträge zu erzielen, müfste errelativ mehr arbeiten, währender das Mehrerträgnis mit einemandern zu teilen hätte. Nicht minder unerfreulich ist die Pachtgegen Arbeitsverpflichtung. Sie bedeutet Bestellung der Guts-äcker mit Bauerninventar und widerwilliger Bauernarbeit. Umauf dem Gutshofe zur Arbeit zu erscheinen, mufs der Bauersein Feld oft gerade zu einer Zeit vernachlässigen, da esder Arbeit am meisten bedarf. Dieses System verewigt alleMängel der unfreien Arbeit.

Auf der andern Seite ergiebt das Buch von Karischeffeinen grofsen Widerwillen der Bauern gegen Teilbau undArbeitspacht. Die kräftigeren Wirte streben nach Geldpacht,schon um in ihrer Wirtschaftsführung freier zu sein. Aufserdemist der Pachtzins bei Geldpacht verhältnismäfsig niederer undweniger lastend als bei Pacht gegen Arbeitsleistung undNaturalabgaben, weil im letzteren Falle dem Verpächter dieArbeit und Gefahr der Verwertung bleibt. Auch der Ver-pächter zieht die Geldpacht vor, wenn anders der Pächternur einige Sicherheit für den Pachtzins auch in schlechtenJahren bietet. Wird damit das Risiko des Verpächters geringer,so kann die Pachtsumme niederer sein. Nach Karischeff über-wiegt die Geldpacht bereits heute dort, wo gröfsere und vieh-reiche Bauernhöfe existieren. Bei der völligen Unsicherheitund Schwäche der Pächter, wie sie in vielen Teilen Rufs-lands allgemein ist, herrscht dagegen Teilbau oder Pachtgegen Arbeitsverpflichtung auch heute noch vor.

Die Pachtperiode ist in Rufsland überwiegend eineeinjährige. Je mehr der Gutsbesitzer seine patriarchalischenBeziehungen zu den Bauern aufgab und möglichste Steigerungseiner Renten erstrebte, um so mehr verkürzte er die Pacht-perioden; angesichts der Unsicherheit der Pächter und desMangels an Düngung boten längere Pachtperioden keinenVorteil; dagegen konnte der Gutsherr bei einjährigen Pacht-perioden die günstige Konjunktur am meisten ausnutzen. Aber