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das Buch von Karischeff zeigt auf der andern Seite, parallelmit der Entwicklung der Geldpacht, eine Neigung zur Ver-längerung der Pachtperioden, soweit es sich um kräftigerePächter handelt, soweit Düngung und geregelter Frucht-wechsel einsetzt.
Die Entwicklung zur Geldpacht und zur mehrjährigenPacht wird beschleunigt durch das Auftreten „kapitalistischer "Grofspächter. Es sind dies Leute, welche meist selber demBauernstande entstammen und durch Handels- und Kredit-geschäfte zu einem gewissen Wohlstand empoi'gestiegen sind.Sie pachten teils zwecks Afterverpachtung, teils zur Selbst-bewirtschaftung. Die Afterverpachtung wird in dem Mafseschwieriger, je mehr die breite, mittlere Bauernschicht zumProletariate herabsinkt und die eigene Wirtschaft aufgiebt.Die kapitalistische Pacht zwecks Selbstbewirtschaftung führtzu gröfseren Landwirtschaftsbetrieben, freilich in der Handeiner energischeren Unternehmerklasse als der des Adels.
Auch in Sachen der russischen Bauernpacht könnte ichmanches aus persönlichen Eindrücken und mündlichen Mit-teilungen schöpfen. Baron Behr, der Oberverwalter des vonmir besuchten Livenschen Latifundiums , wie alle von mirhierüber befragten Landwirte waren darin einig, dafs die ein-jährige Pacht in der wirtschaftlichen Schwäche der Bauernihren Grund habe; längere Pachtverträge schützten, weil gegendie Bauern nicht exequierbar, weder vor den niedergehendenKonjunkturen, noch vor der Einwirkung von Mifsernten aufdie Pachtlust u. s. w. Bei der einjährigen Pacht habe dagegender Verpächter wenigstens den vollen Vorteil der steigendenKonjunktur. Zudem sei Düngung bei den Bauern doch nichtüblich, und es wäre daher auch bei längeren Verträgen einebessere Bearbeitung des Feldes seitens des Bauern nicht zuerwarten. Die mit dem Gemeindebesitz verbundenen Land-umteilungen erschwerten das Aufkommen einzelner kräftigerBesitzer, welche genügende Sicherheit für mehrjährige Pachtenböten und genügend Vieh besäfsen, um entsprechend zuarbeiten und zu düngen.
Das Gesagte führt zu der Einsicht: der russische