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Landwirt ist der russische Bauer 1 . Es kommt indieser Hinsicht noch in Betracht, dafs der Anteil der besätenFläche am Gesamtareal beim Bauernlande viel gröfser ist alsbeim Gutslande. Für das schwarzerdige Rufsland, also fürdas Rufsland des Getreidebaues, giebt Korolenko folgendeZiffern:
DefsjätinenBauernland PrivateigentumKulturland 77 711012 53110 463
davon Ackerland 63,7 °/o 44,3 %
davon besät 61,8 % 55,4 °/o
Nach Nicolai—on werden nur 13 pCt. des Ernteergeb-nisses der Hauptgetreidearten von nichtbäuerlichen Wirt-schaften hervorgebracht 2 .
D. Die Mängel der russischen Bauernwirtschaft.
Der russische Bauer ist ein gewesener Leibeigener.Vor dem Reformwerk Alexanders II. zerfiel die bäuerlicheBevölkerung in zwei Klassen: die Staatsbauern und die Guts-bauern. Bei beiden lag der Zweck der bäuerlichen Wirtschaftnicht in dieser selbst, sondern aufserhalb ihrer in der Wirtschaftdes Herrn, bezw. des Staates. Der Reichtum letzterer be-stimmte sich bei der Wertlosigkeit des Landes nach der Zahlihres Besitzes an leistungsfähigen Bauern, wie man Landgüternicht nach Flächeninhalt, sondern nach „Seelen " kaufte. DieLeistungsfähigkeit des Bauern erforderte eine entsprechendeLandausstattung; um Land und Arbeitskraft in gleichem Ver-hältnis zu erhalten, mufste der Gutsherr den Verschiebungeninnerhalb der Bevölkerung durch Landumteilung folgen. Ahn-liches geschah auf Befehl des Zaren auf dem Staatslande inwillkürlichen Zwischenräumen (sog. Revisionen) 3 .
1 So schon Thun, Landwirtschaft und Gewerbe in Mittelrufsland.S. 2. Diesen richtigen Satz betonen vor allem die Volkstümler; freilichziehen sie verfehlte Folgerungen. Siehe oben.
2 Nicolai —on a. a. 0. S. 137, 267.
3 Aus einem Aufsatz eines vortrefflichen Sachkenners hebe ichfolgende Stellen hervor: „Bis zur Einführung der Kopfsteuer war voll-berechtigtes Mitglied der Gemeinde, wer einen Hof innerhalb der