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arm, um sich den Luxus einer Sozialpolitik gestatten zukönnen, wie denn Witwen und Waisen als unsichere Steuer-zahler grofsenteils kein Land erhalten h Der Grund fürden Fortbestand jener Wirtschaftsform, welche die Slavo-philen mit einem mystischen Schimmer umhüllen, liegtvielmehr in solchen Fällen in Folgendem: Privateigentumsetzt ein privatwirtschaftliches Interesse am Objekt voraus*,Pflichten sind dagegen dann am leichtesten zu tragen, wennsie in möglichst gleicher Weise der Leistungsfähigkeit desEinzelnen angepafst werden 2 .
Neben den bisher geschilderten Fällen steht eine breiteMasse solcher, in denen die Lasten den Ertrag zwar nichtübersteigen, wohl aber ungefähr aufwiegen. Auch hier hatdas Land noch keinen privatwirtschaftlichen Wert; weit ent-fernt, dafs der Einzelne möglichst viel davon zu besitzenstrebt, begehrt er nicht mehr, als notwendig ist, sich und dieSeinen zu erhalten. Ähnlich wie von Luft und Wasser —Gütern, die ebenfalls einen privatwirtschaftlichen Wert nichtbesitzen — nimmt jeder soviel Land, als er braucht; mehrwill er nicht, denn mehr Land bedeutete mehr Steuern. Auchhat er den Reiz einer höheren Lebenshaltung noch nichtkennen gelernt und scheut sich, mit einem gröfseren Land-besitz ein Mehr von Arbeit zu übernehmen, um sich über dieStufe barster Lebensnotdurft emporzuschwingen.
Auch in solchen Verhältnissen sind Landumteilungen häufig;man teilt öfters „nach gutem Willen", „nach Bedürfnifs".Ein jeder sagt, was er braucht, und was übrig bleibt, wirdzwangsweise den wohlhabenden Wirten zugewälzt. Denn keinLand darf unbestellt bleiben, damit alles Land an der Tragungder Steuerlast Teil habe. Ähnliche Bedeutung haben vielfachjene Fälle, in denen „nach Seelen", „nach Essern" schlecht-hin , auch unter Berücksichtigung der weiblichen Seelen,
1 Brscheski, Ökonomische Rundschau, Juli 1898, S. 11: „Aus-schliefslich Steuererwägungen" seien für die Gemeinde mafsgehend.
2 Simkhowitsch a. a. 0. S. 134: „Je mehr die Zahlungen denErtrag des Bodens überragen, desto geringer ist das Interesse der Höfe,den Umteilungen zu widerstehen, und desto häufiger kommen Um-teilungen vor."