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Zu erwähnen wäre ferner in diesem Zusammenhang dievielbeklagte Entwaldung des südlichen Rufsland, als derenFolge man vielfach zunehmende Trockenheit des Klimasansieht. Zur Stütze dieser Meinung verweist man auf dasAustrocknen vieler kleinerer Flüfse, die Bildung von Erdrissen,die Ausdehnung von Flugsand, besonders in den südöstlichenTeilen des Reiches, auf das Sinken des Wasserspiegels desKaspischen Meeres u. s. w. Eine Stimme für viele : Aus demGouvernement Woronesch, welches recht eigentlich im Mittel-punkt der Schwarzerde liegt, berichtet z. B. das im Jahre 1893veröffentlichte Tagebuch eines Landwirts: „In letzter Zeitsind weite Räume fruchtbaren Landes in Ödland übergegangen.Überall im Gouvernement beobachtet man das Einfallen derwasserhaltenden Schluchten, die Vertrocknung der Flüsse, dieBildung von Rissen. Die Verwüstung der Nährkräfte desBodens geht schnell und breit vor sich, und dort, wo früherGetreide stand, Gräser und Wald wuchsen, hörte alleVegetation auf." Immerhin stehen solche Klagen unter demEindruck von vorübergehenden Mifsernten und sind nichtohne weiteres zu verallgemeinern 1 .
Diese Zusammenhänge werden von Nicolai — on ininteressanter Weise beleuchtet; freilich führt seine „volks-tümliche" Gedankenrichtung diesen Verfasser öfters zu einseitig-pessimistischer Beurteilung, welcher man nur mit Vorsichtfolgen darf. Nachstehende Ausführung ist dagegen einezweifellos scharfsinnige Erfassung der Thatsächlichkeit. „DieBevölkerung fährt fort zu wachsen. Um das Dasein zufristen, mufs sie das Ackerland auf Kosten der Wiesen undWeiden erweitern, den Wald hauen und hiermit mehr undmehr die natürlichen Bedingungen verschlechtern, ihnen mehrund mehr sich unterwerfen. Die Erweiterung des Ackerlandesauf Kosten von Wiese und Weide führt zur Verminderungdes Viehs, welches ohnehin eine Last ist wegen der Schwierig-keit der Ernährung im Winter. Das Vieh wird verkauft;
1 Yergl. über klimatische und meteorologische Verhältnisse „Mifs-ernte und Volksarmut" a. a. 0. S. 11 ff.