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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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sind von gröfster Bedeutung für die Frage, in welchem Mafsedie landwirtschaftlichen Betriebe Rufslands Gelderträgnisseüber Steuern und Abgaben hinaus abwerfen 1 . Von diesenÜberschüssen aber hängt die Bildung und Vermehrung desnationalen Kapitals ab dies umsomehr, als auch die In-dustrie aus mittelbar oder unmittelbar aus diesen Überschüssenvon den Verbrauchern bezahlt wird 2 .

Aber die Getreidepreise sind sogar von Bedeutung fürdiejenigen Bauern, welche durch Lohnarbeit das zur Steuer-zahlung nötige Bargeld aufbringen und den Landbau da-neben naturalwirtschaftlich betreiben. Denn Lohnarbeit istin Rufsland in erster Linie landwirtschaftliche Lohnarbeit:mit steigenden Getreidepreisen aber wird das Getreidearealausgedehnt; es wächst also die Nachfrage nach Arbeit; um-gekehrt bei sinkenden Getreidepreisen. In zweiter Linie istdie Lohnarbeit gewerblicher Natur; aber wir sahen oben, wieder gewerbliche Absatz von der Zahlungsfähigkeit und derGeldwirtschaftlichkeit der Landbevölkerung abhängt, welchemit den Getreidepreisen zweifelsohne in engem Zusammen-hange stehen.

Bei gleichbleibenden oder gar sinkenden Getreidepreisenist der einzige Ausweg, um die Erträge auf gleicher Höhe zuhalten oder gar zu steigern: Verbilligung der Produk-tionskosten. Auch in dieser Beziehung sind Handelspolitikund Verkehrsverhältnisse von gröfster Bedeutung. Jede Ver-billigung der Gegenstände des nötigsten Lebensbedarfs (z. B.

1 So v. Witte a. a. 0. S. 204.

2 Ich behandle hier nicht die Frage, ob hohe oder niedere Getreide-preise für die Mehrzahl der russischen Bevölkerung von Vorteil sindoder nicht. Vergl.Wirkung der Ernten und der Getreidepreise aufeinige Seiten der russischen Volkswirtschaft." Sammelwerk unter derRedaktion von Tschuproff und Posnikoff. Petersburg 1896. Fürden Staats zweck kann der Vorteil einer Minderheit wertvoller seinals der Vorteil der Mehrheit. Es beruht die Stellungnahme hier inletzter Linie auf Wertgesichtspunkten, welche der Nationalökonomienicht zu entnehmen sind, sondern auf Weltanschauungsfragen zurück-gehen.