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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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Es wiederholt sich jene Erscheinung, welche wir obenfür die industrielle Konkurrenz beobachteten, auch für dieLandwirtschaft: nicht diejenige Produktion ist die billigste,welche bei niederer Lebenshaltung massenhafte Arbeit beschäftigt,sondern die, welche die meisten und besten Werkzeuge undeine leistungsfähige, gutgenährte Arbeit besitzt.

In Amerika ist die Verwendung von Kapital auf denGrund und Boden verhältnismäfsig grofs. In Rufsland da-gegen ist der Wert des Betriebsinventars verschwindendgering. Trotz einer um ein Drittel gröfseren Anbauflächesoll nach Nieon Rufsland im Jahre nur 7,6, die VereinigtenStaaten dagegen an 140 Millionen Rubel für landwirtschaftlicheMaschinen und Geräte ausgeben 1 . In gleicher Richtung liegenaber auch indirekte Kapitalanwendungen, z. B. das Systemvon landwirtschaftlichen Schulen und Versuchsstationen,welches Amerika bedeckt, in Rufsland nahezu fehlt.

Das Ergebnis der verstärkten Kapitalanwendung auf denGrund und Boden ist ein doppeltes :

Zunächst wird die gleiche Fläche Landes in Amerika weit energischer ausgenutzt als in Rufsland. Die in Betrachtkommenden Statistiken lassen hierüber keinen Zweifel, selbsteine grofse Irrtumsgrenze zugegeben. Die besäte Gesamt-fläche wird in Rufsland auf 60, in den Vereinigten Staaten auf 40 Mill. Defsj. (1 Defsj. gleich 1,09 Hektar) geschätzt.Dagegen schwankte der Erntewert der für Rufsland fast aus-schliefslich in Betracht kommenden Getreidearten, Weizen,Roggen, Gerste und Hafer, in den 6 Jahren von 1885 bis1890 incl. um 1 Milliarde Rubel; der Wert der amerikanischenErnte allein an Weizen, Hafer und Mais war in jenen Jahrennie niederer als 2 Milliarden Rubel und überstieg einmalsogar die 3. Milliarde. Hiernach käme in Amerika ein nahezuvierfaches Ernteergebnis auf dieselbe Grundfläche. Diesergröfsere Ertrag darf nicht auf gröfsere Fruchtbarkeit desBodens zurückgeführt werden; denn dieSchwarzerde ", welchefür Rufslands Getreideproduktion vor allem in Betracht

1 Nicolaion a. a. O. 332, 333.