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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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kommt, steht an natürlicher Ergiebigkeit keinem Boden derWelt nach. Vielmehr ist der gröfsere Ertrag wohl in ersterLinie der höheren Kapitalanwendung zuzurechnen und unteranderem spielt gewifs die energischere Pflügung hier einewichtige Rolle.

Aber diese Mehrproduktion von der gleichen Fläche wirdin Amerika unter Anwendung von weit weniger Arbeit erzieltals in Rufsland. Dabei sind die Fortschritte der Technik,welche Ersatz der Arbeit durch Kapital bedeuten, in Amerika ununterbrochen. Ein Arbeiter pflügte heute soviel wie vorkurzem zwei; mit Hilfe der Mähmaschine, welche die Garbenautomatisch bindet, mäht er heute soviel wie vor kurzem12 Arbeiter; der Farmer lebte vor wenigen Jahrzehnten aufseiner Farm in Naturalwirtschaft; heute genügen nach Atkinson300 Arbeitstage im Jahre auf den fortgeschrittensten Farmsim Nordwesten, um Getreide zur Nahrung von 1000 Personenzu produzieren. Einer landwirtschaftlichen Bevölkerung derVereinigten Staaten von gegen 25 Mill. entspricht in Rufslandeine solche von 70 Milk, wonach auf eine Defsjätine besäterFläche dort 6, hier 10 Köpfe landwirtschaftlicher Bevölkerungkämen. Da nun dieses Mehr von Personen in Rufsland aufder gleichen Fläche weniger Getreide produziert als in Amerika ,so ist das Erzeugnis pro Kopf landwirtschaftlicher Bevölke-rung in Amerika an 10 bis 11 Mal gröfser als in Rufsland.Der russische Bauer steht dem Amerikaner also nicht andersgegenüber, als etwa der Handweber dem Weber am mechani-schen Webstuhl.

Das Gesagte ergiebt, dafs wir es als eine hoffnungsvolleThatsache ansprechen müssen, wenn die bäuerliche Betriebs-gröfse in Rufsland wächst und das Land in den Händen derkräftigeren Bauern sich sammelt. Diese Entwicklung aber istnach Urteil aller Sachkenner zweifellos im Gange. Diereicheren Bauern vergröfsern ihre Betriebe, sowohl durchPacht und Kauf von Gutsland, als auch auf Kosten desAnteillandes der schwächeren Gemeindegenossen.

Von ersterem Vorgang sprachen wir oben, von letzteremhier noch ein Wort. Da Gemeindefremde als Pächter nicht