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eingefahrenen Geleisen geworden sind, folgen die schüchternen,trägen Massen des Volkes nach, indem sie eine Verbesserungihrer Lebensverhältnisse durch den langsamen, ermüdendenProzefs der Befreiung von althergebrachter Routine, diesemVermächtnis vieler ungezählter Jahrhunderte, erreichen. Wennunser ländliches Leben sich auf dem Wege der kapitalistischen Entwicklung zu bewegen beginnt, so beweist dies nur, dafs dieallgemeine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage auch imländlichen Lebensgefüge ihren Ausdruck erhalten hat."
Mit Recht weist Witte darauf hin, dafs bei Verfall desvolkswirtschaftlichen Organismus finanzielle Erfolge, wie sieRufsland in dem letzten Jahrzehnt zu verzeichnen gehabthat, unmöglich gewesen wären. Insbesondere deuten meinerMeinung nach die wachsenden Erträgnisse der Verbrauchs-steuern auf eine Zunahme des Volkswohlstandes 1 .
Es sind dies dieselben Wahrheiten, welche schon einMann von der Sachkunde des Staatssekretärs Walujeff unterBezugnahme auf die russischen Bauernverhältnisse in folgendenWorten zusammengefafst hat: „Jeder Fortschritt geht aus voneinzelnen Persönlichkeiten, welche sich aus der Masse hervor-thun durch besondere Fähigkeiten, besondere Thätigkeit, be-sondere Glücksumstände. Jede Wirtschaftsgesetzgebung sollsich bemühen, derartige individuelle Anstrengungen zu unter-stützen und derartige individuelle Erfolge zu sichern."
Um auch einen Gegner zu Worte kommen zu lassen,welcher aber die Thatsachen genau so beurteilt, wie hier ge-schehen, citiere ich noch W. E. Postnikoff: „Ein Teil derländlichen Bevölkerung, der über gröfsere Familien- und
Amortisationsquoten an die Bauernbank fast stets bezahlt; von denGemeinden, welche als solche von der Bauernbank Land kauften,ist der gröfsere Teil rückständig. „Mil'sernte und Volksarmut".S. 118.
1 Ahnlich J. J. Janschull, Die Woche vom 25. Dezember 1898.Von 1887 bis 1897 haben sich die Staatseinnahmen, ohne Schaffungbedeutender neuer Steuern, von 800 auf 1400 Millionen Rubel ge-hohen.