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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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so eher entschliefsen, als die übliche einjährige Pacht für ihnselbst keineswegs vorteilhaft ist 1 .

Sucht man thatsächliche Belege für die Vorteile desPrivateigentums, so fische man nicht die vereinzelten FälleIndividualbesitzes aus dem Meere grofsrussischen Gemeinde-besitzes ; hier sind durch Gemengelage und Flurzwang dieIndividualbesitzer gewöhnlich an die Wirtschaftsweise des Mirgefesselt. Man denke vielmehr an die Westgouvernements,die Gegenden vorherrschenden Privateigentums, welche trotzschlechten Bodens anerkanntermafsen weit bessere Wirtschafts-verhältnisse aufweisen als die breite Masse des bäuerlichenGrofsrufslands.

Meine russischen Freunde werden mir die wirtschaftlichenVorteile der geschilderten Entwicklung vielleicht zugeben,dagegen ihr aus socialen Bücksichten den Krieg erklären.Hiergegen gebe ich Folgendes zu bedenken: Zwar gewähr-leistet der Gemeindebesitz Gleichheit der Lebenslose, aberdieses gleiche Becht ist, wie JermolofF treffend sagt, -nur dasBecht aller zu hungern. Dem gegenüber bringt jene Klassen-bildung zunächst wenigstens eine Anzahl von Menschen hervor,welche nicht der periodischen Gefahr des Hungers ausgesetztsind. Aber selbst die landlos gewordenen Bauern, welche sichzum Tagelohn entschliefsen, sind meist besser gestellt als bisher.

Die Emporentwicklung einer Klasse besitzender Land-wirte, einerländlichen Kleinbourgeoisie 2 " aus der Unter-schiedslosigkeit des bäuerlichen Elends scheint mir also auch vomsocialen Standpunkt die wichtigste Aufgabe des heutigenKufsland. Freilich verschliefst sich ein grofser Teil der Be-urteiler dieser Notwendigkeit: slavophil gefärbte Nationalistenund socialistisch angehauchte Liberale. Man sträubt sichgegen diese Entwicklung alseine Proletarisierung des Volkes".In der öffentlichen Meinung sucht man die wohlhabendenund emporstrebenden Bauern als Wucherer (Kulaki) anzu-schwärzen, und insbesondere jenen socialistischen Pseudo-

1 Karischeff a. a. 0. S. 248, 307, 309, 343, 383.

2 Vergl. Brauns Archiv 1894, S. 355 ff.