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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
Entstehung
Seite
480
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lange des Edelmetallgeldes entwöhnt ist. Jedenfalls arbeitetdie Reichsbank thatkräftig in dieser Richtung weiter: sie ver-einigt die eingehenden Kreditrubel in der Centrale, um siezu geeigneter Zeit zu vernichten; die Filialen, welche dieAusgänge besorgen, werden vorwiegend mit Goldmünzen ver-sehen. Kein Zweifel, dafs auf diesem Wege das erwünschteZiel zu erreichen.

B. Die bankpolitische Aufgabe.

Sind die Kreditrubel Banknoten? Um diese Frage zubeantworten, müssen wir einen Blick auf die Verhältnisse derrussischen Reichsbank werfen.

Die russische Reichsbank ist eine Staatsbank; ihre Noten-ausgabe beruht auf dem Grundsatz der direkten Kontingen-tierung ; sie arbeitet mit verzinslichen privaten und staatlichenDepositen.

Es ist klar, dafs diese Thatsachen der theoretischen Be-urteilung als Mängel erscheinen; praktisch dagegen sind sievielfach als faute de mieux zu rechtfertigen, cl. h. als das untergegebenen Verhältnissen best Erreichbare. Es ist naiv, mitKramarg 1 zu empfehlen,die Statuten der deutschen Reichs-bank nachzuahmen" als ob nicht jeder Fortschritt derBankorganisation einen Fortschritt der allgemeinen Wirtschafts-verhältnisse voraussetzte.

Betrachten wir die drei genannten Punkte näher.

1. Die russische Reichsbank ist nach wie vor reineStaatsbank. Hiermit treffen Rufsland die Nachteile, welchekürzlich der Verstaatlichung der deutschen Reichsbank ent-gegengehalten wurden 2 .

Die absolutistische Staatsform bietet ebensowenig wie die

1 Kramarf, Die russische Valutareform. Wien 1896, S. 37.3 Vergl. z. B. Lötz, Der Streit um die Verstaatlichung derReichsbank; ferner den Vortrag des Bankdirektors M. Schinkel in derPlenarversammlung des deutschen Handelstages vom 14. März 1898;endlich Helfferich, Die Erneuerung des Privilegiums der Reichsbank.Nation 1898, Nr. 2023.