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Bekanntlich ist das Kontingentierungssystem mit der ihmzu Grunde liegenden Currencylehre heute von der Theoriewie der Praxis Europas verworfen. Als das Entscheidendebetrachtet man allgemein die „bankmäfsige Deckung", mitderen Durchführung die richtige Grenze der Notenausgabevon selbst gesetzt ist. Trotz der Peelsakte ist das Prinzip der„bankmäfsigen Deckung" bekanntlich auch für die Bank vonEngland entscheidend '. Diesen Grundgedanken leugnenauch diejenigen nicht, welche das System der indirektenKontingentierung durch die Notensteuer, wie es Deutschland besitzt, verteidigen; es sind hierfür gewisse Nebenabsichtenentscheidend, z. B. „die Erziehung der Reichsbank zum Giro-geschäft" 2 .
Als Sicherung des Notenumlaufs betrachtet heute niemandmehr eine in Zeiten der Krisen doch versagende, unelastischeBeschränkung des Notenumlaufs auf eine bestimmte Summe.Selbst die Barvorratsquote wird gegenüber der bankmäfsigenDeckung für verhältnismäfsig gleichgültig erklärt 8 .
Es ist dies nicht etwa nur „deutsche Theorie", wieuns Fedorowitsch zur Verteidigung des russischen Zustandesglauben machen möchte 4 , sondern sowohl deutsche wie eng-lische Theorie; es ist die jüngere Theorie gegenüber derälteren; hat doch der Engländer Tooke zuerst die Currency-lehre grundlegend bekämpft. Auch die russischen Bank-schriftsteller stimmen dieser Auffassung bei 5 .
1 Bei der Bank von England ist der Notenumlauf begrenzt durch„den gewohnheitsmäfsig abgeschlossenen Aktivgeschäftskreis". That-sächlich ist das Stammkapital, nicht die Notendeckung immobilisiert.Yergl. u. a. A. Wagner, Zettelbankpolitik. Freiburg i. B. 1873,S. 238, 244 und passim.
2 So Lötz, Geschichte und Kritik des deutschen Bankgesetzes,S. 214, 285.
3 Vergl. A. Wagner in Schönbergs Handbuch. 4. Aufl. Band I,S. 506.
4 Fedorowitsch in der Ökonomischen Rundschau. Nov. 1897.
5 So z. B. ein gelehrter, aber etwas theoretisch gehaltener Artikel
des Moskauer Professorenblattes „Russische Nachrichten" vom 20. April
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