Druckschrift 
Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
Entstehung
Seite
487
Einzelbild herunterladen
 
  

- 487

komitee gutgeheifsen werden." Ein Vorteil der Goldwährung:die Währung des leicht beweglichen, internationalen Metallsführt die Centraibank im eigensten Interesse zur Verschärfungihrer Diskontbedingungen.

Aus dem Gesagten erklärt sich die verhältnismäfsiggeringe Bedeutung des Diskontgeschäfts für die russische Reichsbank 1 . In der unten mitgeteilten Bilanz tindet sichder Betrag von 160 Millionen Rubel diskontierter Wechselgegenüber einem Gesarntactivum von 1700 Millionen.

Die weitere Entwicklung des Diskontgeschäftes ist jedochaufserordentlich wichtig, dies um so mehr, als das Lombard-geschäft gerade in Rufsland zur Notendeckung besonders un-geeignet erscheint.

Zwar ergeben die gegenwärtigen Beleihungsgrundsätzeden ernsten Willen einer soliden Geschäftsführung, wenn sieauch an die Strenge der deutschen Reichsbank nicht entferntheranreichen. Über die zur Zeit geltenden Gepflogenheitender russischen Reichsbank erhalte ich aus russischen Geschäfts-kreisen folgende Mitteilung:

Vorschüsse werden gewährt vorzugsweise:auf Staatspapiere bis 85 ä 90 °/o des Börsenwertes, hypothekarische Pfandbriefe (städtische oder agrare) bis

75 ä 80 °/o des Börsenwertes,

sonstige Werte (Aktien etc.) zu niedrig bemessenen

Taxationen, kaum in Betracht zu ziehen,

Waren, meistens Getreide, nicht über 60 °/o des Markt-wertes."

Trotzdem erheben sich gegen die Lombardsicherheitenals Notendeckung in Rufsland die schwersten Bedenken. Zu-nächst ist auf die Langfristigkeit dieser Darlehen hinzuweisen;z. B. führt Sudeikin an, dafs im Jahre 1888 die durchschnitt-liche Dauer der Darlehn gegen lombardierte Staatspapiere beider Centrale 860, bei den Filialen 150 Tage betrug. Hierzukommt wenigstens für die Zeit, die Sudeikin schildert, die

1 Kankrin hat noch den staatlichen Banken das Diskontgeschäftganz verboten. Vergl. Sudeikin a. a. O. S. 127, 241.