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Gewohnheit von Stundungen, welche nicht selten mit Verlust-verkäufen durch die Bank endeten 1 . Derselbe Verfasser er-zählt von Fällen, in denen nach alt merkantilistischer Weisederartige Darlehen in weitherzigster Weise zur Rettungschwankender Privatindustrien und Privatbanken gewährtwurden 2 .
Neuerdings haben sich in dieser Hinsicht die Verhältnissezweifelsohne gebessert. Aber wie dem auch sei, so ist nichtzu vergessen, dafs dieselben Beleihungsgegenstände in Rufs-land ihrer Natur nach eine viel geringere Sicherheit bietenals im Westen.
Nicht nur dafs das beliehene Getreide mangels geeigneterLagerräume vielfach bei Privaten, z. B. bei den Landwirtenselbst, lagert — jedenfalls ist dieses Getreide eine unverkaufte,in ihrem Preise von der Ausfuhrmöglichkeit abhängige Ware,welche unter Umständen, z. B. im Fall einer Blockade, aufdas schwerste entwertet werden kann. Die Wertpapiere aber,welche als Lombardpfänder dienen, sind fast ausschliefslichrussische Staatspapiere, die im Auslande gewertet werden.Politische Erschütterungen können ihre Kurse über Nachtwerfen, und dies gerade in Tagen, in denen die Einlösbarkeitder Noten besonders in Frage steht.
Ja es ist fraglich, ob in solchen Tagen diese Staats-anleihen sich überhaupt als verkäuflich erweisen. Ist dochselbst in ruhigen Verhältnissen und in Friedenszeiten dieseVerkäuflichkeit nicht über allem Zweifel erhaben. Wenigstenssteht fest, dafs die Lombarddarlehen in den letzten Jahrzehntenvielfach zur Unterbringung von Staatsanleihen dienten, welcheohne das Abnehmer nicht gefunden hätten. Diese Lombard-
1 Sudeikin a. a. 0. S. 451, 454, 439.
2 Sudeikin a. a. 0. S. 455. Vor kurzem berichteten die Zeitungenvom Eingriff der Keiclisbank zwecks Fortführung der industriellenUntersuchungen der fallierten Der wies — aus merkantilistischemInteresse verständlich, dem Wesen einer centralen Notenbank wider-sprechend.