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Zunächst die Handelsbilanz. Trotz aller Unsicherheitder Handelsstatistik welche Sir Charles Dilke in drastischeWorte kleidet 1 , können wir nachstehende, der russischen Statistikentnommenen Ziffern insofern mit Ruhe verwenden, als dieuntergelaufenen Fehler beträchtlich zu Ungunsten Rufslandswirken dürften. Die Thatsachen liegen hier wahrscheinlichgünstiger für Rufsland als ihr statistisches Abbild.
Die Ausfuhr Rufslands wird nämlich von den Einfuhr-ländern beträchtlich gröfser angegeben 3 . Andererseits fehltein Anreiz für die Importeure, die Einfuhr unter ihrem wahrenWerte anzugeben, da Rufsland Gewicht- und nicht Wertzölleerhebt. Thatsächlich schätzt Rufsland seine Einfuhr vielhöher als die Ausfuhrländer, z. B. im Durchschnitt der Jahre1889—94 um 68,5 °/o 8 .
Der Schmuggel, welcher die russische Handelsbilanz derStatistik gegenüber verschlechtert, hat mit Zusammenfassungdes Verkehrs auf wenigen grofsen Grenzstationen und bei derTVIassenhaftigkeit des modernen Warenhandels nach allgemeinemUrteil der Sachverständigen gegen früher sehr abgenommen.Folgendes sind die Ziffern der russischen Statistik:
1 Vergl. Karl J. Fuchs, Die Handelspolitik Englands und seinerKolonieen. Leipzig 1893, S. 90. Alle Handelsstatistik stelle mindestens20 % Abweichung von der Wahrheit dar.
2 Nach Kaffalovich, Marche financier 1897/98, S. 410 hat Rufs-land auf Grund seiner eigenen Statistik in den Jahren 1889—94 aus-geführt für 3509 Millionen Rubel, nach der fremden Statistik 4701 Mil-lionen Rubel. Sehr eingehend weist die gleiche Thatsache nach:Pokrowski, Uber die Festigkeit der russischen Handelsbilanz.St. Petersburg , ohne Jahreszahl. Danach erreichte z. B. 1894 der Wertder nach England ausgeführten Butter nach englischer Statistik einenum 45,6% höheren Wert als nach russischer; der nach Deutschland ausgeführte Flachs wurde nach deutscher Statistik um 22,4 %, die nachFrankreich ausgeführte Gerste um 89,9 % nach französischer Statistikhöher bewertet als nach russischer.
3 Vergl. Pokrowski a. a. O. S. V.