Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
17
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mehr an der Menge billiger als an dem hohen Preise durchGüte ausgezeichneter Ware zu verdienen, und infolgedessendie Produktionskosten möglichst herabzudrücken.

Den Folgen dieser Entwicklung begegnen wir schon sehrfrüh bei denjenigen Gewerben, welche zuerst auf auswärtigenAbsatz arbeiteten: der Tuch mach er ei und der Wirkerei.In ihnen zeigte sich zuerst, dafs die alte zunftmäfsige Ordnungdes Handwerks unvereinbar war mit der Notwendigkeit dieProduktionskosten zu verbilligen. Wohlhabende Handwerks-meister zogen, um dem Zwang des Zunftstatuts zu entgehen,auf das Land hinaus, gaben dort die Wolle ländlichen Hand-webern in Arbeit und begründeten so eine ausgedehnte Haus-industrie, welche ganzen Grafschaften Englands ein verändertesGepräge verlieh. Diese Entwicklung begann sehr früh. Schonunter Heinrich VIII. wird über die Verödung der Städte ge-klagt; es wurden damals Gesetze erlassen, welche die Tuch-fabrikation auf dem platten Lande verboten ohne Erfolg.

Zahlreiche Arbeiterunruhen in dem Wirkereigewerbewerden bereits aus der Zeit vor Einführung des Fabrik-systems berichtet. Bezeichnenderweise haben sie alle dieAufrechterhaltung des bestehenden Rechts zum Gegenstand.Insbesondere erregte es den Unwillen der Arbeiter, dafs dieArbeitgeber das alte Lehrlingsgesetz, wonach niemand mehrals drei Lehrlinge halten sollte, aufser Acht liefsen. Viel-mehr fanden sich nicht selten so viel Lehrlinge, d. h. zumeistvon der Armenverwaltung gelieferte Kinder, für welche dieLehrherrn noch bezahlt wurden, dafs die erwachsenen Arbeiterdurch sie vielfach verdrängt wurden. Dieselben rächten sichdurch Zerschlagen der Strumpfwirkerrahmen und Arbeitsaus-stände, an denen das vorige Jahrhundert schon so reich war,dafs man es das Jahrhundert der Arbeitsausstände nannte.

v. Schulze-Gaevernitz, Weg z. soc. Frieden. v 2