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denn der Einzelne zunächst nirgends isolierter ist, als in dermodernen Industriestadt.
Auch hier findet sich das Bild der Entwicklung deutlichin der Bevölkerungsstatistik wiedergespiegelt. Von 1801 bis1841 vermehrt sich die Bevölkerung fast um 50%, währenddie Städte in noch viel rascherem Verhältnis anwachsen.Nach einer dem Buche von Gaskell entlehnten Statistik ver-mehrte sich in den Jahren 1801—1881 die Bevölkerungvon Liverpool um 188%,die von Manchester um 151%,die von Glasgow um 161%.
Die geschichts- und zusammenhanglosen Massen, welcheder Industrie ihr Dasein verdankten, traten dem aristokratischgegliederten England entgegen — gleichsam wie zur Probeauf die Theorie der Zeit, welche aus dem durch die Gesell-schaft unverdorbenen Individuum eine Idealgesellschaft aufbauenzu können vermeinte. Aus diesem Gegensatz erklärt sich diepolitische Entwicklung der folgenden Jahrzehnte, welche Eng-land von einem aristokratischen in ein demokratisches Staats-wesen umwandelte.
Ehe wir aber hierauf eingehen, müssen wir zunächst daraufhinweisen, dafs England den grofsen Umschwung, welchen dasAufkommen des Industrialsystems herbeiführt, von allen euro-päischen Ländern am ersten durchmachte. Der Grund hier-von lag darin, dafs England bereits, dank der Politik seinerAristokratie, das erste Handelsland Europas war, daher seineaufkommende Grofsindustrie dem Weltmarkt näher lag, alsdie aller anderen Länder. In demselben Grade wie Eng-lands Handel, Englands Schiffahrt, Englands Kolonien undKapitalien denen der übrigen Länder überlegen waren, in dem-selben Mafse war auch die englische Industrie von vornhereinüberlegen, wenn es sich um den Erwerb auswärtiger Märkte