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Handwerksmeister gegenüber emporheben sollte, mufste ihndem kapitalkräftigen Grofsindustriellen gegenüber noch tieferhinabdrücken. Lediglich im Interesse des letzteren wurdeAdam Smith ausgebeutet, was sich z. B. daraus ergiebt, dafsman die Aufhebung der Koalitionsverbote, die ebenso wie diedes Lehrlingsgesetzes aus ihm zu folgern gewesen wäre, unter-liefs. Dagegen betrachten seine Nachfolger die wirtschaft-lichen Verhältnisse von vornherein vom Standpunkt des Ar-beitgebers, insbesondere Ricardo. Adam Smith konnte diesnoch nicht thun, weil es zu seiner Zeit den modernen Arbeit-geber noch nicht gab 1 .
Der Merkantilismus war ebenso individualistisch gewesen,wie die physiokratische Doktrin; beiden ist das Wohlsein desIndividuums letztes Ziel des menschlichen Handelns undihr Unterschied liegt lediglich auf dem Gebiete der Wirt-schaftspolitik d. h. den Wegen, die empfohlen werden, jenesZiel zu erreichen. Entsprechend ihrem individualistischemGrundcharakter, läfst die klassische Nationalökonomie dasIndividuum allein von egoistischen Antrieben — für sie ist esder „Erwerbstrieb" und der „Geschlechtstrieb" — bewegtwerden. Aber ihre Eigentümlichkeit ist, dafs sie in Über-einstimmung mit der Philosophie ihrer Zeit an Stelle derthatsächlich so verschiedenartig ausgestatteten Glieder derGesellschaft abstrakte, einander gleichartige und gleichausge-stattete Individuen setzt. Hieraus leitet sie die Nützlichkeiteines freien Wettbewerbs aller mit allen ab, da ja ein jedersich am besten auf den eigenen Vorteil verstehe und ihn ameifrigsten verfolge. Mit der Freigebung des Wettbewerbsaller, so behauptete man, werde sich von selbst eine gesell-schaftliche Harmonie einstellen. Wenn wir heute noch von