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ein Kulturvolk ausweisen könne, welches es doch an phy-sischer Kraft weit übertreffe. Jene Beschwerden, die sonst densogenannten „sitzenden Lebensweisen" eigentümlich wären,insbesondere Verdauungsstörungen, sodann die Schwindsuchtund der Typhus seien beim englischen Arbeiter relativ häu-figer als bei den andern Klassen. Gewisse Verkrüppelungendes Knochengerüstes, welche früher unbekannt waren, seiengeradezu erst durch die Maschinenarbeit hervorgerufen worden,und zwar seien bestimmten Maschinen bestimmte Mifsbil-dungen eigentümlich.
Von allen Seiten wird dieses Urteil Gaskells bestätigt.Die Rekrutierungsbehörden stimmten dahin überein, dafs fastalle Angehörigen der gewerbtreibenden Gegenden für sie un-brauchbar seien. In Lancashire , dem Sitze der Baumwollen-industrie, sei das vorgeschriebene Mals fast nie mehr erreichtworden. Ausländische Beobachter, die damals England be-suchen, äufsern sich erstaunt, dafs die stämmige Gestalt des„John Bull mit dem breiten Untergestell und dem runden,behäbigen Gesicht", unter dessen Bilde man auf dem Fest-lande den Engländer vorzustellen gewohnt war, kaum mehrzu finden sei. An seine Stelle trete ein bleicher hohlwangigerGesell mit schmaler Brust, faltiger Stirn und schwankendemGange. Auch die zeitgenössischen Romane sind voll vonSchilderungen des körperlichen Elends, wie es weite Kreisedes Volkes ergriffen habe. Kingsley behauptet, man könnedeutlich den Unterschied wahrnehmen zwischen jener älterenGeneration, die ihre Jugend noch auf dem Lande und ingesunderer Arbeit verbracht habe, und der jüngeren, welcheInzucht der Industrie sei.
Betrachten wir den Lebensgang, wie er nach zeitge-nössischen Schilderungen für ein solches in der damaligenIndustrie geborenes Kind, z. B. in der Baumwollenindustrie