Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
50
Einzelbild herunterladen
 

selbst von Erziehung nicht die Rede sein konnte, ist ein-leuchtend. Der Staat kümmerte sich um Volksbildung über-haupt nicht; in dem kolossalen Budget von 54000000 jg(1843) waren nur 40 000 j£ für öffentlichen Unterricht aus-gesetzt und diese kamen den arbeitenden Klassen nicht zugute. Die einzigen Bildungsmittel, welche dem heran-wachsenden Arbeiter geboten wurden, gingen von religiösenGesellschaften sowie der Staatskirche aus. Beide aber be-trachteten den Volksunterricht lediglich als Mittel, sich gegen-seitig zu bekämpfen, weshalb damals die Staatskirche nurdort eine gewisse, wenn auch im Vergleich mit heute höchstäufserliche Thätigkeit entfaltete, wo ihr Sekten gegenüberstanden. Hatte also der junge Mensch Glück, so fiel er imbesten Fall in die Hand eines solchen Seelen fischendenSchwarzrockes. Unverstandene Dogmen vielleicht mochtenihm eingepfropft werden; ob er schreiben lernte, war eineandere Frage. Denn in der Abendschule war er nach an-strengender Tagesarbeit unfähig zu weiterer Aufmerksamkeit;in der Sonntagsschule aber wurde schreibenals eine zuweltliche Beschäftigung" vernachlässigt. Jeder Einflufs derFamilie sonst für die Erziehung das wichtigste fiel beiihm hinweg. EinesHeinis" in dem Sinne, den Deutscheund Engländer mit dem Worte verbinden, erfreute er sichnicht; denn Mutter und Vater gingen gleichfalls, wenigstensso lange sie Arbeit fanden, zur Fabrik. Die Wohnung warnichts als die Schlafstätte, über deren Unreinlichkeit undDürftigkeit alle Berichterstatter übereinstimmen. Oft nochwurde sie mit dem Vieh, Hühnern und Schweinen eineaus Irland herübergekommene Sitte geteilt. Wuchs derjunge Mensch heran, so war seine einzige Freude Schenken-leben und Branntwein. Trunksucht war damals ein ebensoverbreitetes Laster, wie sie heute unter dem besseren eng-