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1 (1890)
Entstehung
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lischcn Arbeiterstande selten geworden ist. Andere Unter-haltungen für den Abend, Gelegenheiten, sich in angenehmerWeise zu belehren und geistig zu fördern, fehlten dem Ar-beiter damals gänzlich. Zudem war gerade unter jenerdegenerierten Bevölkerung geschlechtliche Frühreife eine all-gemeine Erscheinung die besonders bei den Frauen auf-fallend war. Mütter von 15 Jahren gehörten nicht zu denSeltenheiten. Die allgemeine übliche Nachtarbeit beförderteden ungeregelten Verkehr der Geschlechter, der die Zahl derunehelichen Geburten ungeheuer steigerte und von einemZustandefreier Liebe" kaum noch entfernt war. In jenemLebensalter, das zu Ausschweifungen neigt, erhielt zudem derArbeiter die besten Löhne seines Lebens ein weiterer An-lafs zur Üppigkeit und Zügellosigkeit, Eigenschaften, derenalle Berichterstatter als eigentümliches Laster des englischenArbeiters erwähnen. Wenn er dann älter wurde und wo-möglich eine Familie gegründet hatte, wurden die Löhne baldschmäler. Zu sparen hatte er nicht gelernt. Es fehlte nochfür weitere Kreise die von Baernreither in seinem erstenBande 1 in ihrem Entstehen geschilderte Organisation derVersicherungsanstalten, welche am besten dem Arbeiter dasSparen ermöglichen. Zudem hätte er bei dem weit verbreitetenPauperismus doch nur zu Gunsten der Armenkasse gespart,welcher er bei jeder Arbeitslosigkeit und früher oder späterdauernd zur Last fiel.

In dem Familienleben zeigte sich eine eigentümliche Ver-kehrung der gewöhnlichen Verhältnisse. Die Eltern pflegtenbald von den Kindern, der Mann von der Frau abhängig zuwerden; denn die letzteren waren es, die verdienten. Oft

1 Baernreither, Die englischen Arbeiterverbände und ihr Recht.Tübingen 1886.

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