hatte einen Sturm unerhörten Beifalls entfesselt, der sich bisweit auf die Strafsen hinaus fortpflanzte. Unmöglich schienes, seinem Nachfolger mehr zu spenden; und doch wurdewenige Wochen darauf Carlyle ein Höheres zu Teil. Als erseine Antrittsrede geendet hatte, herrschte im Saale minuten-langes Stillschweigen. Die Anwesenden — unter ihnen wissen-schaftliche Gröfsen ersten Ranges — empfanden, dafs in demschlichten Greise nicht eine flüchtige Tageserscheinung vorihnen stehe, mit der man sich durch Beifall auseinandersetzenkönne, vielmehr, was Goethe schon dem Anfänger gegenübererkannt und ausgesprochen hatte: „dafs er auf originalemGrund beruhe" und eine „moralische Macht von grofser Be-deutung" darstelle, „in der viel Zukunft vorhanden sei" 1 .Carlyle entfloh, nachdem er seine Rede gehalten; an denGräbern seiner Eltern suchte er die Ruhe des Geistes wiederzu gewinnen, welche ihm über jedem Hinaustreten in dieÖffentlichkeit verloren ging. Von jener Rede (gehalten am22. April 1866) aber wurden binnen wenigen Tagen 20 000Exemplare verkauft.
Seitdem ist sein Einflufs schnell gewachsen. Henry Taine,der um jene Zeit England besuchte, konnte bereits erklären:nach dem Eindrucke, den er gewonnen habe, besitze überdie jüngere Generation Englands kein Schriftsteller einenEinflufs, der dem Carlyles gleichkäme. Heutzutage findetman in England nicht wenige Männer, welche bekennen, vonCarlyle mehr oder weniger abzuhängen, ihm ihr geistigesSein und jenen sittlichen Halt zu verdanken, ohne welchen— wie unser zumeist skeptisches Zeitalter beweist — v/ahr-haft erfolgreiches Handeln unmöglich ist. Eine ganze Carlyle-