Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
96
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einem Standpunkt, von dem aus das Denken der Neuzeit unddie puritanischen Anschauungen seines Elternhauses nicht mehrGegensätze sind. Unerläfslich zum Verständnis der Carlyle-schen Schriften ist es, den Gang dieser Entwicklung im Augezu haben, in welchem derSartor Resartus", zahlreiche Briefeund einige spätere Aufzeichnungen Carlyles genügende Ein-sicht gewähren. Denn Carlyle selbst mafs seiner Entwicklungeine mehr als biographische Bedeutung hei, was er dadurchbeweist, dafs er sie in dem erstgenannten Buche einen deutschenProfessor, eine Art Faust, zum zweiten Male durchmachen läfst.

Die Mehrzahl der Menschen Arbeiter auf besonderemGebiet, d. h. Organe der Gesellschaft zu speciellen Funktionen nehmen zwar auch die Meinungen ihrer Zeit, insbesonderedie in der Jugend ihnen entgegengebrachten, willig an, ohnejedoch mehr als oberflächlich von ihnen berührt zu werden.Insbesondere stehen ihre Handlungen in keinem notwendigenZusammenhange mit ihren mehr oder weniger ausgebildetentheoretischen Überzeugungen, werden vielmehr, unabhängigvon jenen, durch ererbte und anerzogene Motive der ver-schiedensten Art beherrscht. So sind in unserm Zeitalter desIndividualismus Motive wirksam geblieben und geworden, dievon diesem Standpunkt aus eigentlich unerklärlich sind:Religiosität und Loyalität, die noch von Altersher die Ge-sellschaft zusammenhalten, das neuerwachende Standesbewul'st-sein der arbeitenden Klassen und der Nationalitätsgedanke,welche daran sind, Europa umzugestalten. Dem gegenüberkönnen es, vermöge der in der Gesellschaft notwendigerweisebestehenden Arbeitsteilung, nur wenige sein, welche dieStrömungen ihrer Zeit in der Weise in sich zu einer Einheitzusammenschliefsen, dafs sie die Wirkungen derselben, diesonst oft über ein Jahrhundert auseinanderliegen, innerhalbeines Menschenalters erleben. Ihr Lebensgang wird so typisch