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insbesondere Schopenhauer, Comte und den Darwinismus zurSeite hat. „Die That ist das Ziel des Menschen", sagt Carlylein Übereinstimmung mit Aristoteles . „Erst im Handeln ge-langt das Wesen des Menschen zur Erscheinung; die Erkennt-nis ist nichts als Mittel" L Sie ist in der That nichts anderesals jede der vielen im Kampfe um das Dasein entwickeltenFähigkeiten und kann gleich ihnen auf Grund altruistischerwie individualistischer Motive in Wirksamkeit treten. Wiekeine Erkenntnis ohne Wollen, so keine wahre Erkenntnisohne altruistisches Wollen. Denn die Erkenntnis des gesell-schaftlichen Menschen beruht gleich seinen übrigen Thätig-keiten vorwiegend auf letzterem. „Liebe allein führt zurvollkommenen Erkenntnis", schreibt Carlyle an Goethe. Da-her in Wissenschaft wie im praktischen Leben diejenigen dieFührer und die Gröfsen der Geschichte sind, welche ammeisten von altruistischen Grundlagen ausgehen, die um derSache willen erkennen, die um einer Idee willen handeln.Sie sind die „Helden", denen Carlyle eines seiner Werkegewidmet hat. Altruismus aber ist nicht möglich ohne Glau-ben, d. h. Annahme eines aufserhalb des Individuums liegen-den Wertes. Der Mensch als gesellschaftliches Wesen lebtdaduixh, dafs er einen Glauben hat; derselbe ist zur prak-tischen Lebensführung unentbehrlich. Alles grofse und blei-bende ist aus dem Glauben heraus geleistet worden. GläubigeZeiten sind aufbauende, glaubensleere zerstörende Zeiten.Das eine wechselt mit dem andern. Denn die Formen desGlaubens werden in der Art der menschlichen Kleider mitder Zeit abgenutzt und fadenscheinig, bis sie zerfallen; oderschlimmer, noch halten die Kleider, aber das Leben entweicht:alsdann stehen Scheinexistenzen vor uns, an die man nicht
1 Yergl. Past and Present II, c. 15.