noch lange aufrecht bleiben, wenn sie auch für viele bereitsihren inneren Wert verloren haben. Denn sie sind ob-jektive Regeln, die an sich von der subjektiven Beurteilungseitens des einzelnen unabhängig sind, ja sogar zum Teildurch die Zwangsgewalt des Rechts auch vom Widerwilligenerzwungen werden können. Andererseits aber sind sie dochnichts als Ausdruck der inneren Formen. Ändern sich dieletzteren, d. h. die Glaubensvorstellungen, so mul's auch dasGesellschaftssystem in ähnlichen Umbildungen nachfolgen.Dieselben werden eine organische Fortentwicklung bedeuten,so lange auf subjektivem Gebiete neue Ideale des Handelnshervorgebracht werden. Tritt dagegen auf letzterem Zer-setzung d. h. Unglaube ein, so werden auch - die äufserenFormen nicht mehr weiter entwickelt werden. Einmal be-stehend aber erhalten sie sich, obwohl nicht mehr fortbil-dungsfähig, noch lange, insbesondere, wenn sie nur für ge-wisse Klassen veraltet, dagegen für die Mehrzahl des Volkesnoch lebendig sind. Aufserdem aber sind gerade die oberenKlassen, welche zuerst vom Unglauben ergriffen werden, soeng durch ihre persönlichen Interessen mit dem herrschendenGesellschaftssystem verbunden, dafs sie dasselbe auch deshalbäufserlich festhalten.
In solchen Zeiten ist die Gesellschaft krank. Die äufserenFormen, obwohl scheinbar noch in Kraft, beherrschen dochthatsächlich nicht das Handeln derer, welche nicht mehr ansie glauben. Die Arbeit geschieht nicht mehr um ihrer seihstwillen, weil der Glaube an den absoluten Wert des durchsie zu verwirklichenden Gutes geschwunden ist. Das Indivi-duum wird der Mittelpunkt alles Handelns. Da aber dieäufseren Formen noch als die herrschenden anerkannt sind,auch andere noch daran glauben, so wird die Thätigkeitnunmehr auf den Schein gerichtet, als sei die Arbeit gethan.